Im Renault Clio von Köln an den Gardasee. Die Mission: Ein möglichst niedriger Verbrauch.
Ein Kleinwagen ist keine rollende Verzichtserklärung. Das beweisen Autos wie der seit vielen Generationen erfolgreiche Renault Clio. Der Fünftürer ist klar erstwagentauglich, bietet einen hohen Fahrkomfort und ist mit moderner Konnektivität auf der Höhe der Zeit. Gemeinsam mit dem vollelektrischen Renault 5 stellt der das Kleinwagen-Doppel der französischen Marke, mit dem eine breite Zielgruppe angesprochen wird. Unabhängig vom Antriebskonzept steht für viele Kunden eine bestmögliche Energieeffizienz weit oben auf der Wunschliste.
Drei-Motoren-Hybrid
Nicht erst vor dem Hintergrund der zuletzt stark gestiegenen Spritpreise rückt dabei der Renault Clio Full Hybrid E-Tech 160 in den Fokus. Hinter der langen Modellbezeichnung steckt ein Vollhybrid, der den 1,4 kWh großen Akku während der Fahrt beim Bremsen oder durch die Rekuperation von Energie lädt. Bei niedrigerem Tempo und entspanntem rechten Fuß sorgt meist der 36 kW (49 PS) starke Elektromotor für Vortrieb. Außerdem ist ein 1,8 Liter großer Vierzylinder-Benziner mit 80 kW / 109 PS an Bord. Ein Generator (15 kW) steuert das Zusammenspiel des Antriebs-Duos. Die Systemleistung wird mit 116 kW / 158 PS angegeben. Für die Kraftübertragung ist das Multi-Mode-Getriebe zuständig. Zwei Übersetzungen stehen für das elektrische Fahren bereit, vier für den Betrieb mit dem Benzinmotor. Aufgrund unterschiedlicher Kombinationen paaren sich die Zahnräder in insgesamt 15 unterschiedlichen Kombinationen.
Renault gibt für den Clio Hybrid einen WLTP-Normverbrauch von 4,1 l/100 km an. Mit Sprit aus dem 39 Liter großen Tank ist also rechnerisch eine Reichweite von über 950 Kilometern möglich. Eine Zahl, die für uns kein Ansporn ist, sondern die Basis für eine weitere Herausforderung. Schafft man es, mit dem elektrifizierten Kleinwagen eine Strecke von 1.000 Kilometern ohne Tankstopp zurückzulegen?
Als Testwagen steht ein Renault Clio in der Basis-Ausstattung Evolution im serienmäßigen Farbton Evolution bereit. Wohl um es und nicht zu einfach zu machen, hat Renault die serienmäßigen 16-Zoll-Räder des Autos gegen breite Reifen mit 18-Zoll-Felgen getauscht. Das sieht auf Fotos und im Video gut aus, spielt uns aber beim Rollwiderstand nicht in die Karten.
Die Ausgangs-Situation
Ein realitätsfremdes Hypermiling-Projekt gehen wir nicht an. Es werden also keine Spaltmaße an der Karosserie mit Klebeband abgedeckt oder gar Ausstattungselemente entfernt, um das Gewicht zu reduzieren. Wir laden den 301 Liter großen Kofferraum voll und lassen auch die manuelle Klimaanlage durchgehend ihren Dienst verrichten. Bei hochsommerlichen Temperaturen bis über 30 Grad Celsius ein Muss. Eine einzelne Maßnahme für mehr Effizienz erlauben wir uns: Die Continental-Reifen des Clio werden mit knapp vier Bar Druck befüllt, mehr als die vorgesehenen 2,4 (vorne) bzw. 2,1 Bar (hinten). Ein derart prall aufgefüllter Reifen reduziert den Rollwiderstand, dafür leidet der Fahrkomfort. Außerdem verlängert sich der Bremsweg, weil der Gummi nicht so gut arbeiten kann. Weil wir eine eher langsame Tour mit sehr vorausschauender Fahrweise geplant haben, erlauben wir uns diese Aktion. Im automobilen Alltag kann man den Luftdruck auch erhöhen, sollte es aber nicht derart übertreiben.
In Köln wird der Clio vollgetankt. Nach dem Abschalten des Vorgangs durch die Zapfsäule füllen wir weitere drei Liter ein. Vom Startpunkt, der Tiefgarageneinfahrt der Renault Deutschland AG, haben wir eine Route mit Wegpunkten bis zum Gardasee geplant und lassen uns über das mit Apple CarPlay integrierte Smartphone und die App Google Maps leiten. Die werkseitig angebotenen Google-Services im Clio (Maps, Playstore und Assistant bzw. Gemini) gibt es in der Ausstattungslinie Evolution nur gegen Aufpreis, unser Testwagen kommt ohne diese Option.
Die Clio Challenge im Video
Wir fahren auf die A3 in Richtung Süden. Die adaptive Geschwindigkeitsregelanlage wird auf ein Tempo von 100 km/h eingestellt. Nachdem wir den gefühlten Dauerstau im Großraum Köln hinter und gelassen haben, rollen wir entspannt über den Asphalt. Das selbstgewählte Limit ist auf der deutschen Autobahn weniger stressig als gedacht. Trotz dichtem Lkw-Verkehr an einem Montag kann man, wenn man auf einen Lastwagen aufschließt, meist ohne Wartezeit ausscheren – und auch ohne dabei andere Verkehrsteilnehmer zu ärgern. Die Anzeige des Bordcomputers pendelt sich schnell bei einem Verbrauchswert von 3,8 l/100 km ein. Unterwegs fragen wir uns, ob die Wahl der Route für unser Vorhaben ideal gewählt wurde. Es geht ja die meiste Zeit aufwärts, Köln als Startpunkt liegt nur 53 Meter über dem Meeresspiegel. Eine Information, die dem Spritspar-Anspruch kurz vor dem Irschenberg und der langen Bergauf-Strecke der Autobahn 8 in Richtung Salzburg ins Wort fällt.
In Österreich entspannt sich die Lage noch weiter, das IG-L (Immisionsschutz-Gesetz Luft) limitiert das Tempo für Verbrenner ohnehin auf 100 km/h. Außer einem zweiten Stopp zum Fahrerwechsel mit „Beinevertreten“ sind wir stets auf der Autobahn unterwegs. Die Sitze des Clio bieten auch nach vielen Stunden einen mehr als ausreichenden Sitzkomfort. In Tirol umfahren wir eine Sperrung der Autobahn und nehmen Landstraßen sowie innerstädtischen Verkehr in Schwaz und Umgebung unter die Räder. Die Verbrauchsanzeige im Cockpit zeigt mittlerweile den Wert von 3,7 l/100 km an, fällt zwischenzeitlich kurz auf 3,6 Liter.
Er kann noch mehr
Die Brenner-Autobahn stellt den höchsten Punkt der Route. Trotz Dauerbaustelle läuft auch hier der Verkehr flüssig. Wenn wir mit 100 km/h einen Lkw oder ein Wohnmobil überholen, echauffiert sich nicht mal ein Einheimischer, der das Limit von Tempo 130 oftmals nur als Empfehlung ansieht. Kurz vor dem Ziel suchen wir ein Restaurant, um den Tag Revue passieren zu lassen. Als wir am Ziel in Peschiera del Garda ankommen, ist es längst dunkel. Der Tageskilometerzähler springt auf 1.000 Kilometer. Aber: weiter links im digitalen Kombiinstrument meldet die Tankanzeige noch eine Reichweite von 130 Kilometern.
Obwohl unser ursprünglicher Plan, mit dem Clio eine Strecke von mindestens 1.000 Kilometern ohne Tankstopp zu fahren, aufging, bleiben wir angespornt und steigern die Herausforderung. Den Luftdruck der Reifen senken wir auf das Niveau von 2,5 Bar vorne und 2,2 Bar an der Hinterachse. Am kommenden Tag fahren wir zurück in Richtung Südtirol. Dabei wählen wir Landstraßen-Strecken, auf denen es teils spürbar bergauf geht. Auch jetzt laufen Klimaanlage und Musikanlage. Kurz vor Trient meldet sich die Rest-Kilometer-Anzeige beim Wert 40 ab, wir fahren in dieser Hinsicht also im Blindflug. Im Kofferraum führen wir zur Sicherheit einen Kanister mit fünf Litern Sprit mit. Um nicht auf der Schnellstraße liegen zu bleiben drehen wir ausgiebige Runden im Trienter Stadtgebiet. Jetzt schaltet sich der Benzinmotor häufiger auch für den direkten Antrieb der Räder (paralleler Hybridmodus) zu, weil wir dem Akku weniger Gelegenheit geben, sich aufzuladen.
Bei Tageskilometerstand 1.112,6 steuern wir eine Tankstelle an. Jetzt wird wieder bis zum automatischen Abschalten vollgemacht, danach fließen weitere 1,69 Liter ins Auto. 39,95 Liter haben wir insgesamt nachgefüllt, was einen Durchschnittsverbrauch von 3,59 l/100 km ergibt. Der Reservekanister bleib unangetastet im Kofferraum, außerdem waren wohl noch rund 1,4 Liter Super im Tank, da wir nicht so lange gefahren sind, bis der Antrieb die letzten Tropfen Sprit nuckelt.
Prolog
Nach dem Tankstopp fahren wir zurück nach München. Auf der italienischen Autobahn nutzen wir das Tempolimit von 130 km/h meist aus, in Österreich sind wir mit 100 Sachen unterwegs (IG-L, siehe oben) und in Deutschland bei dichterem Verkehr im Bereich zwischen 110 bis 160 km/h. Auch hier rechnen wir nach: Auf dem Rückweg haben wir einen Durchschnittsverbrauch von 4,7 l/100 km erzielt. Auch ein sehr guter Wert, der zur Langstreckenkompetenz des Renault Clio passt.
Was kostet der Clio Hybrid?
Renault bietet den Clio Full Hybrid E-Tech 160 in allen drei Ausstattungslinien mit den Namen Evolution, Techno und Esprit Alpine an. Für unseren Test haben wir uns das Basismodell ausgesucht. So können wir erleben und berichten, dass man auch mit manueller Klimaanlage bei heißem Sommerwetter wohltemperiert vorankommt.
Der Clio Hybrid Evolution kostet 24.200 Euro, damit liegt das elektrifiziere Modell mit 158 PS Systemleistung 2.800 Euro über dem reinen Benziner mit 115 PS starkem Dreizylinder-Motor und Doppelkupplungs-Automatik. Wer beim TCe 115 die Grundausstattung mit manuellem Schaltgetriebe wählt, der steigt zu einem Listenpreis ab 19.900 Euro ein.
Unser Testwagen hat das Komfort-Paket (schlüsselloser Zugang und Motorstart mit Karte, Regensensor, Fernlichtassistent, Mittelarmlehne vorne und Fernlichtassistent), Sitzheizung für Fahrer und Beifahrer sowie die Rückfahrkamera als Optionen mit an Bord. Der Preis klettert auf 25.350 Euro. Nicht mit berücksichtigt sind die 18-Zoll-Leichtmetallfelgen, die erst ab der zweiten Ausstattungslinie Techno zu haben sind. Den Basis-Clio bekommt man auf Wunsch mit 16-Zoll-Alurädern anstelle der serienmäßigen Blenden vor Stahlfelgen und auch mit Ganzjahresreifen.
Fazit
Kleines Auto auf großer Mission. Die Langstrecke über 1.000 Kilometer steckt der Renault Clio locker weg, dank des Fahrkomforts auch die Insassen. Bei unserer Mission, 1.000 Kilometer und mehr mit einer Tankfüllung zu schaffen fällt auf, wie wenig das selbstauferlegte Tempolimit von 100 km/h auch auf der deutschen Autobahn stört.
Am Ende des Tages sind wir müde, der Clio will aber noch weiter. Nach ein paar Stunden tiefem Schlaf lassen wir ihn zeigen, wie weit er kommt. Als wir an eine Zapfsäule rollen, meldet der Tageskilometerzähler eine Strecke von 1.112,6 Kilometern, der Durchschnittsverbrauch liegt bei 3,59 l/100 km.
Technische Daten
Renault Clio Full Hybrid E-Tech 160
- Antriebsart
- Hybrid
- Antrieb
- Frontantrieb
- Hubraum
- 1.789 ccm
- Anzahl und Bauform Zylinder
- 4 in Reihe
- Maximale Leistung kW / PS
- 80 kW / 109 PS
- Max. Drehmoment
- 172 Nm
- Getriebe
- Multimode-Getriebe
- Elektromotor: Maximale Leistung kW
- 36 kW (49 PS) + 15 kW (20 PS)
- Elektromotor: Maximales Drehmoment
- 270 Nm
- Systemleistung: kW / PS
- 116 kW / 158 PS bei 5.750 U/min, 270 Nm
- Batterie
- 1,4 kWh
- Tankinhalt
- 39 Liter
- Beschleunigung 0-100 km/h
- 8,3 Sekunden
- Höchstgeschwindigkeit
- 180 km/h
- Norm-Verbrauch auf 100km
- 4,1 Liter
- Verbrauch real auf 100km
- 3,59 Liter
- Reichweite im Alltag
- 1.112,6 Kilometer
- Kofferraumvolumen
- 301 - 1.094 Liter
- Reifenmarke und –format des Testwagens
- Continental EcoContact 7 205/45 R18
- Leergewicht
- 1.316 kg
- Anhängelast (gebremst)
- 900 kg
- Stützlast
- 80 kg
- Dachlast
- 75 kg
- Länge / Breite / Höhe
- 4.116 / 1.768 / 1.451 mm
- Basispreis Baureihe
- 19.900 Euro (TCe 115)
- Basispreis Modellvariante
- 24.200 Euro
- Testwagenpreis
- 25.350 Euro