Der neue BMW X5 als Benziner im ersten Fahrbericht mit Video-Review.
Kurvenausgang, schwerer Fuß auf dem rechten Pedal. Du öffnest sanft den Lenkwinkel und wie an der Schnur gezogen beschleunigt das große Auto auf die Gerade. Jetzt meldet sich der Reihensechszylinder vernehmbar zu Wort. Das Arbeitsprinzip des Benziners wird mit Frequenzen, deren Abstimmung gewiss ein paar Ingenieure über einen längeren Zeitraum beschäftigt hat, übertragen. Keinesfalls stören, aber präsent. Aber nur in Situationen wie dieser, wenn man einen Großteil der bis zu 580 Newtonmeter Drehmoment abruft.
Die Kurve, dein Freund
Das rund 2,4 Tonnen schwere SUV lenkt nach der kurzen Gerade erneut willig ein. Hinterachslenkung und (optionales) Luftfahrwerk sorgen für Spurtreue und Komfort. Auch im angeschärften Fahrmodus bleibt der X5, trotz merklich strafferer Abstimmung, stets komfortabel. Wir zirkeln die Neuauflage des großen BMW über herrlich verwinkelte Landstraßen unweit der kalifornischen Stadt San Diego. Südlich ist die Grenze zu Mexiko nicht weit, in der anderen Richtung geht es nach Los Angeles. Und um uns herum sind riesige Felsen in der Gesteinswüste stumme Zeugen der Zeit. Für sie ist es weniger als ein Wimpernschlag, für die Autoindustrie aber eine langjährige Erfolgsgeschichte. Seit 27 Jahren baut BMW den X5, der für die Marke die Klasse der „Sports Activity Vehicle“ (SAV statt SUV) begründete. Mehr als 3,1 Millionen Autos sind seitdem aus der US-Fabrik in Spartanburg (South Carolina) gerollt. Die relative Nähe zum Werk und die USA als wichtigster Absatzmarkt sind der Grund dafür, dass wir hier den X5 erstmals auf der Straße kennenlernen dürfen.
Im Programm steht nicht nur die eilige Kurvenhatz, sondern auch das Abspulen weiter Distanzen auf dem Highway. Direkt nach der Auffahrt melden grüne LED-Streifen im Lenkrad die Bereitschaft des Highway Assist. Auch in den USA ist das dauerhafte „Handsfree“-Fahren ohne Berührung des Lenkrads zugelassen. Beim Aufschließen auf langsamere Verkehrsteilnehmer schlägt das System einen Spurwechsel vor, der Blick in den Außenspiegel genügt und das Auto übernimmt die Lenkarbeit. Die US-Abstimmung sieht danach aber keine selbsttätige Rückkehr auf den rechten Fahrstreifen vor. Wer mag, kann das durch Antippen des Blinkerhebels befehligen. Der Grund: Auf den tempolimitierten Straßen (auf denen sich trotzdem fast nur wir an das Limit von 65 mph bzw. 105 km/h halten) kann auch rechts überholt werden. Die teils fiesen Querfugen auf der Interstate 5 werden vom Luftfahrwerk gekonnt verdaut. Trotz der optionalen 22-Felgen melden sich auch jetzt die ungefederten Massen am Fahrwerk nicht bis in den Innenraum. Vom Benziner ist bei niedrigen und mittleren Drehzahlen kaum etwas zu hören, umso deutlicher fallen dezente Windgeräusche um die A-Säulen auf.
Der BMW X5 im Video
Das Meilensammeln (also, das auf der Straße) wird von einem der vielen Massageprogramme auf den beheiz- und belüftbaren Vordersitzen begleitet, die Lieblingsplaylist wird vom gekoppelten Smartphone über das aufpreispflichtige Bowers & Wilkins – Soundsystem übertragen. Für die Routenführung nutzt man besser das bordeigene Navigationssystem anstelle einer Handy-App. Nur so kann man die „Entry to Exit“-Strategie des Highway Assist nutzen, vor einer Ausfahrt sortiert sie das Auto entsprechend auf dem rechten Fahrstreifen (siehe oben) und reduziert das Tempo. Außerdem zeigt die 3D-Ansicht auf dem großen Touchscreen-Display das eigene Auto und die Umgebung detailgetreu und übersichtlich an, ohne mit zu viel Klimbim abzulenken. Vor allem an großen Kreuzungen hilft die Ansicht, auf der richtigen Spur abzubiegen.
Nicht nur bei den Assistenzsystemen, sondern auch bei der Inneneinrichtung folgt der BMW X5 der Lehre der Neuen Klasse. Das „Panoramic iDrive“-Cockpit gefällt einmal mehr mit optimaler Ergonomie aller Anzeigen. Einen Teil der Elemente im „Panoramic Vision“ genannten Streifen mit Projektionen direkt unter der Windschutzscheibe kann man frei konfigurieren. Das ebenfalls erhältliche Head-up-Display mit 3D-Darstellung wird somit fast obsolet, zumal es – wie die meisten Projektionen auch bei den Mitbewerbern – mit polarisierten Sonnenbrillen-Gläsern eh kaum oder nicht sichtbar ist.
Nach der Premiere im überarbeiteten 7er bringt auch der X5 ein Beifahrer-Display mit, im SUV kostet der zusätzliche Monitor jedoch Aufpreis. Wenn der Fahrer unterwegs auf die Anzeige blickt, stoppt hier das gewählte Entertainment-Programm. Eine entsprechende Sichtschutz-Vorrichtung auf dem Display wäre die elegantere Lösung.
Nicht nur im geräumigen Interieur, auch außen gibt sich der X5, obwohl er auf einer weiterentwickelten Version der Vorgänger-Architektur basiert, als Mitglied der Neuen Klasse zu erkennen. Die Tagfahrlicht-Signatur an der steilen Front, die das klassische Vieraugen-Gesicht zitiert, lässt sich über den Infotainment-Menü von diagonalen Streifen in ein X-Muster umstellen. Am Heck zitieren die roten Streifen in den Leuchten die Linie eines Herzschlags. Bei unserem Testwagen wurde die knapp fünf Merer lange Karosserie in Alpinweiß lackiert. Die vielen (Hochglanz-) schwarzen Flächen als Teil des M Sportpaket Pro und die ebenfalls schwarzen Felgen bieten einen deutlichen Kontrast zum hellen Kleid. An dessen Flanke fallen die kleinen Finnen als Türgriffe auf. Auch BMW setzt beim X5 auf diese ergonomisch nicht ganz optimale Lösung anstelle von Bügel- oder Klapptürgriffen. Die Fummelei zum Entriegeln ist, vielleicht ganz bewusst, ein Argument für die optionalen Automatik-Türen, auf die der Testwagen aber verzichtet. Gut zu wissen: Eine Batterie im Türgriff, deren Energie rund 15 Jahre halten soll, erlaubt die Öffnung des Autos mit dem digitalen Schlüssel in der Smartphone-App auch im Falle einer leeren 12V-Batterie.
Antriebs-Vielfalt
Die Technologieoffenheit von BMW wird bei keiner anderen Baureihe so deutlich wie beim X5. Das SUV kommt als Diesel und Benziner, jeweils mit 48V-Mildhybrid-Modul, als Plug-in Hybrid und als vollelektrischer iX5. 2028 wird das Angebot um ein weiteres iX5-Derivat mit Wasserstoff-Brennstoffzellen-Technologie erweitert. Die Neue Klasse fährt also auch mit der bewährten Verbrenner-Technologie der alten Welt? Im globalen Absatz-Mix übernimmt der Benziner noch immer die Rolle des Leitwolfs. Wohl 2027 dürfte das Programm um einen X5 M70 mit V8-Motor erweitert werden.
Im Rahmen unserer Testfahrten auf den stets streng tempolimitierten amerikanischen Straßen verbraucht der BMW X5 40 xDrive knapp unter neun Liter je 100 Kilometer, damit liegen wir im Zielkorridor des WLTP-Wertes. Bei höherem Tempo auf der deutschen Autobahn wird der Verbrauch klar zweistellig werden. Wer eilig Kilometer sammelt oder oft mit Anhänger unterwegs ist, der dürfte auch weiterhin zum Diesel greifen, Fahrer von Firmenwagen zu einem der beiden Plug-in Hybride oder zum elektrischen iX5. Das vielfältige Modellprogramm bietet also eine breite Auswahl und motiviert zu künftigen Testfahrten, auch und vor allem zuhause in Deutschland.
Das kostet der BMW X5
Mit einem Listenpreis von 94.800 Euro ist der 313 PS starke Diesel das Einstiegsmodell in die neue X5-Welt, der von uns gefahrene 40 xDrive kostet in der Grundausstattung 98.800 Euro. Zu der gehören ein Fahrwerk mit adaptiver Dämpferabstimmung und das Panorama-Glasschiebedach mit überraschend kleiner Öffnung über den Vordersitzen. Viele Optionen, darunter die über 4.600 Euro teure Individual-Innenausstattung, treiben den Preis des Testwagens auf 124.180 Euro.
Fazit
Große Neue Klasse: Der BMW X5 zeigt auch im neuen Design sein dynamisches Wesen, ohne auf Komfort zu verzichten. Ob und wie das hohe Gewicht des elektrischen iX5 der Fahrdynamik im Weg steht, konnten wir noch nicht ausprobieren. Der agile Reihensechszylinder-Benziner mit 400 PS im X5 40d xDrive sorgt im großen SUV aber für einen kräftigen Antritt und viel Fahrspaß, der auch in Kurven nicht endet. Die X5-Erfolgsgeschichte wird in der fünften Modellgeneration ihre Fortsetzung finden.
Technische Daten
BMW X5 40 xDrive
- Antriebsart
- Mildhybrid-Benziner
- Antrieb
- Allradantrieb
- Hubraum
- 2.998 ccm
- Anzahl und Bauform Zylinder
- 6 in Reihe
- Maximale Leistung kW / PS
- 294 kW / 400 PS
- Max. Drehmoment
- 580 Nm bei 1.980 - 5.000 U/min
- Getriebe
- Achtstufen-Automatik
- Elektromotor: Maximale Leistung kW
- 13 kW (18 PS)
- Tankinhalt
- 83 Liter
- Beschleunigung 0-100 km/h
- 5,4 Sekunden
- Höchstgeschwindigkeit
- 250 km/h
- Norm-Verbrauch auf 100km
- 8,8 Liter
- Verbrauch real auf 100km
- 8,9 Liter (lt. Bordcomputer)
- Kofferraumvolumen
- 655 - 1.850 Liter
- Leergewicht
- 2.365 kg
- Anhängelast (gebremst)
- 3.000 kg
- Stützlast
- 140 kg
- Länge / Breite / Höhe
- 4.994 / 2.000 / 1.751 mm
- Basispreis Baureihe
- 94.800 Euro
- Basispreis Modellvariante
- 98.800 Euro
- Testwagenpreis
- 124.180 Euro