Honda Prelude Dauertest

Honda Prelude Dauertest Ein Klassiker von morgen

6:25 Min.

Man muss ihn erleben, um es zu verstehen: Der Honda Prelude im AUTONOTIZEN - Dauertest.

„Is it love?“ (ist es Liebe?) titelten die Werbetexter im Jahr 2001 zur Markteinführung des ersten Mini Cooper unter BMW-Regie. Der Premium-Kleinwagen definierte sein Marktsegment und stellte den Fahrspaß in den Vordergrund – was ihm in Teilen (!) bis heute gelingt. Ungefähr zur gleichen Zeit rollten bei den Honda-Händlern die letzten Exemplare des Prelude der fünften Generation von den Höfen.

Fahrfreude im Alltag

25 Jahre später feiert das Coupé aus Japan sein Comeback. Schon die reine Tatsache, dass Honda im SUV-Zeitalter einen neuen Zweitürer entwickelt und diesen zusätzlich, trotz der überschaubaren Marktnische und der hohen Kosten für die Homologation, diesen auch nach Europa bringt, muss gebührend respektiert werden. Seit dem Marktstart Anfang des Jahres zählt das KBA (Kraftfahrt-Bundesamt) in Deutschland bis einschließlich Ende September 275 Neuzulassungen für den Honda Prelude – inklusive der Händer-Vorführwagen.

Wer sich dort für das Coupé entscheidet, dürfte künftig täglich ein Grinsen im Gesicht haben. Schon dann, wenn sich Nachbarn oder Bekannte wundern, wie man denn einen flachen Zweitürer mit „nur 184 PS“ und dann noch als „spaßbefreiten Hybrid“ fahren kann. Klar, mit dem kompakten Hybrid als technische Basis wäre ein Prelude Type R mit über 300 PS starkem Vierzylinder-Turbo eine feine Sache. Zumindest für die USA und andere Märkte, denn in Europa würde es das Modell dann nicht geben, auch der Civic Type R ist den CO2-Regularien zum Opfer gefallen.

Der Honda Prelude im Video

Vom Hot Hatch bekam der Prelude das Fahrwerk mit getrennter Rad- und Dämpferführung (Dual Strut) an der Vorderachse, versteiften Antriebswellen und adaptiven Dämpfern sowie der Brembo-Bremsanlage spendiert. Schon in unserem ersten Bericht mit Fahrten auf einem Testgelände konnte der neue Prelude bereits zeigen, welche Präzision er damit erreicht. Jetzt zeigt sich, dass die Fahrfreude auch im Alltag erlebbar ist. Eine langgezogene Autobahn-Auffahrt mit sich änderndem Kurvenwinkel genügt für hochgezogene Mundwinkel, einsame kurvige Landstraßen zementieren sie knapp unterhalb der Ohren. Stets voll kontrollierbar lenkt der Prelude ein, sein Frontantrieb kündigt sanftes Untersteuern jederzeit an, das Auto bleibt voll kontrollierbar. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit hat man volles Vertrauen in den Japaner und schraubt die Kurvengeschwindigkeiten (stets im erlaubten Rahmen!) nach oben. Ja, dafür genügt auch die Kraft der 315 Newtonmeter, die der Elektromotor des Hybrid-Honda bereitstellt.

135 kW (184 PS) leistet die Maschine, die sich meistens um den Vortrieb kümmert. Im seriellen Hybridmodus arbeitet der zwei Liter große Benziner als Energielieferant an Bord. Nur in bestimmten Situationen, beispielsweise bei Konstantfahrt auf der Landstraße oder bei höherem Autobahn-Tempo wechselt der Hybrid in den parallelen Modus und nutzt beide Maschinen zum Antrieb der Vorderräder. Ein Getriebe ist nicht an Bord, der Kraftschluss wird per Überbrückungskupplung gesteuert. Wer mag, kann mit dem im Prelude eingeführten S+-Modus mit den Wippen am Lenkrad durch acht virtuelle Gänge flippern, die Motor-Drehzahl wird entsprechend geändert und im digitalen Kombiinstrument angezeigt.

Im nächsten Atemzug rollst du wieder entspannt durch den Alltag und beobachtest im Augenwinkel die Energieflussanzeige hinter dem Lenkrad. Erstaunlich oft fährt der Prelude ohne Zutun des Benziners. Der WLTP-Verbrauchswert von 5,2 l/100 km ist im Pendler-Alltag nicht zu erreichen, sondern auch zu unterbieten! Nach den ersten Wochen des Dauertests haben wir einen Verbrauch von 5,0 l/100 km ermittelt. Auf Autobahn-Langstrecken steigt der Durst erwartungsgemäß an, bleibt aber auch hier im Rahmen. 7,2 l/100 km war das bisher erzielte Maximum nach einigen Stunden, oft mit Tempobegrenzung und mit teils unlimitierten Streckenabschnitten. Dann schraubt sich der Prelude bis zur Höchstgeschwindigkeit von 188 km/h. Ab Tempo 120 nehmen jedoch die Windgeräusche um die A-Säulen zu zudem stört das leicht flatternde Blech der Motorhaube im Sichtfeld des Fahrers.

Sitze im unterschiedlichen Format

Der Fahrersitz bietet mehr Seitenhalt, der für den Beifahrer ist etwas breiter geschnitten.

Egal, ob Kurvenspaß oder Langstrecke geradeaus. Im Prelude sitzt man bequem und komfortabel. Der Fahrersitz ist etwas schmaler geschnitten als der für den Beifahrer, zudem bietet der Platz hinter dem Lenkrad mehr Seitenhalt. Vorne rechts ließe es sich also nochmals bequemer fläzen – leider haben die Japaner aber eine Höhenverstellung für den Co-Piloten eingespart. Die Alibi-Sitze im Fond bieten auch für Kinder zu wenig Knieraum, zudem drückt von oben die große Heckscheibe. Am besten klappt man die Lehne nach vorne und versteht den Prelude als Zweisitzer mit großem Laderaum, die beim Ein- und Ausladen störende Abdeckung bleibt einfach zuhause.

Das Cockpit entspricht dem in Civic und CR-V, inklusive einem überschaubar großen Infotainment-Display. In Zeiten riesiger Monitor-Wände gilt diese Architektur heute fast als willkommener digitaler Detox. Inhalte des Smartphones werden via Apple CarPlay oder Android Auto kabellos integriert, was will man mehr? Die BOSE-Lautsprecheranlage sorgt für einen sehr ordentlichen Klang mit gutem Bass. Im Gegensatz zu manchen anderen asiatischen Autos nervt das Geräusch der Tempowarnung nicht zu sehr. Da verzeiht man dem Prelude die Tatsache, dass diese Funktion nicht so ohne weiteres auszuschalten ist.

Um dem neuen Honda Prelude ordentlich auf den Zahn fühlen zu können, bewegen wir ihn in den kommenden Wochen im Langzeit-Test und werden unsere Erfahrungen mit Updates zu diesem Beitrag teilen. Schon jetzt gilt festzuhalten, dass die Comeback-Generation des Coupés auf angenehme Art und Weise dort weitermacht, wo die Baureihe vor 25 Jahren aufhören musste. Wir erinnern uns: Nicht nur der Prelude, sondern auch Modelle wie Opel Calibra und Co. waren anständig, aber nicht übermäßig stark, motorisierte Zweitürer auf Großserien-Basis.

Das kostet der Honda Prelude

Das Cockpit ist aus dem Honda Civic bekannt die Mikrofaser-Dekorleiste hat aber nur der Prelude.

In Deutschland wird der Honda Prelude ausschließlich in der Ausstattungslinie Advance zum Preis von 49.500 Euro angeboten. Schwarze 19-Zoll-Felgen, LED-Scheinwerfer mit sehr guter adaptiver Steuertung bei Dunkelheit, beheizte Ledersitze für Fahrer und Beifahrer und ein Noise-Cancelling-System zur Steigerung des Fahrkomforts sind mit ab Bord. Die einzige Option ab Werk ist eine andere Lackierung als Rot.

Ein günstiges Auto ist der Zweitürer also nicht. Angesichts seiner Qualitäten im Alltag und des Spaßfaktors könnte er für manche Interessenten aber Erst- und Zweitwagen vereinen.

Fazit

Das betont kuppelförmige Dach maximiert die Kopffreiheit im Auto.

Was wir beim ersten Fahrtermin im Sommer schon feststellen durften, bewahrheitet sich in den ersten Wochen des Langzeit-Tests: Der Honda Prelude ist ein präzis abgestimmtes Coupé, das dir aber niemals die Geschichte vom Sportwagen auftischen will. Ein Gentleman-Cruiser alter Schule im neuen Gewand. Mit dem sparsamen Hybridantrieb könnte hier ein wahrer Klassiker von morgen vor uns stehen, den man auch in 20 Jahren (und wohl weiter steigenden Spritpreisen) an einem Sonntag gerne aus der Garage holt. So wie heute, egal an welchem Wochentag…

Technische Daten
Honda Prelude e:HEV

Antriebsart
Hybrid
Antrieb
Frontantrieb
Abgasnorm
Euro 6e-bis
Hubraum
1.993 ccm
Anzahl und Bauform Zylinder
4 in Reihe
Maximale Leistung kW / PS
105 kW / 143 PS
Max. Drehmoment
186 Nm bei 4.500 U/min
Elektromotor: Maximale Leistung kW
135 kW (184 PS)
Elektromotor: Maximales Drehmoment
315 Nm
Tankinhalt
40 Liter
Beschleunigung 0-100 km/h
8,2 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit
188 km/h
Norm-Verbrauch auf 100km
5,2 Liter
Verbrauch real auf 100km
5,0 Liter (Autobahn 7,2 Liter)
Kofferraumvolumen
264 - 760 Liter
Leergewicht
1.545 kg
Länge / Breite / Höhe
4.525 / 1.880 / 1.349 mm
Basispreis Baureihe
49.500 Euro
Testwagenpreis
50.300 Euro
Text: Bernd Conrad
Bilder: Bernd Conrad