Was bringt das Facelift? Der Kia Stonic im Alltagstest.
Der Kia Stonic hat sich im Modellprogramm der koreanischen Marke zum Dauerbrenner entwickelt. 2025 wurde das kleine SUV in Deutschland immerhin noch 3.445-mal auf die Straße gebracht, damit liegt der Stonic knapp vor dem konzerninternen Konkurrenten Hyundai Bayon (3.358 Neuzulassungen). 2017 kam der Kia Stonic auf den Markt, zusätzlich zum Kleinwagen Rio. Der wurde mittlerweile eingestellt, der Stonic darf weiterleben. Nicht nur das: Der Fünftürer rollt jetzt mit einem zweiten Facelift aus slowakischer Produktion zu den Händlern. Dabei wurde die Optik scheinbar komplett umgekrempelt.
Neues Design
Mit vertikalen LED-Leisten für Tagfahrlicht und Rückleuchten und einer weitestgehend geschlossenen Front folgt auch der Stonic jetzt der „Opposites United“-Designsprache von Kia. Den Designern gelang der neue Auftritt ohne teure Änderungen an der Karosserie. Der vordere Stoßfänger und die Scheinwerfer sind neu, Motorhaube und Kotflügel sind mit den Teilen des Vorgängers identisch. Die äußere Verschalung der Heckklappe, auf der das Markenlogo prangt, wurde umgestaltet, auch im Platz für die neuen Leuchteinheiten am Heck zu schaffen. Darunter schrauben wie Bandarbeiter einen neuen Stoßfänger fest. Zum Facelift gehören zudem neue Räder-Designs.
Auch Innen gibt es viel Neues zu entdecken. Das bisherige Cockpit flog raus, jetzt bringt auch der Kia Stonic zwei jeweils 12,3 Zoll große Displays (in den höheren Ausstattungslinien Spirit und GT-Line, 4,2-Zoll-Fahrerdisplay bei Core und Vision) mit. Die Menüstruktur und die Grafik der Anzeigen, bis hin zur Tastleiste mit doppelt belegten Funktionen nach einer Umschaltung unter dem Infotainment-Bildschirm, ist von anderen Kia-Modellen bekannt. In der umgestalteten Mittelkonsole ist Platz für das induktive Laden eines Smartphones (ab Spirit), die gut erreichbaren Tasten für Sitz- und Lenkradheizung sind direkt davor platziert. Das gilt auch für die USB-Anschlüsse. Das konstruktive Alter des Kia Stonic bemerken Fahrer, die Inhalte ihres Smartphones mit Apple CarPlay oder Android Auto nutzen wollen. Dafür ist eine Kabelverbindung über den klassischen USB-Anschluss nötig, der weiter rechts platzierte USB-C-Stecker dient nur der Stromversorgung ohne Daten-Transfer. Wer ein neueres Smartphone hat, der muss ich im Zweifel erstmal ein entsprechendes Kabel besorgen – oder zuhause in der Elektronik-Reste-Schublade kruschen. Mit der aktuellen Überarbeitung bietet der Stonic auch im Fond zwei USB-C-Steckplätze, Lüftungsdüsen fehlen aber nach wie vor.
Das Platzangebot auf der Rücksitzbank liegt, im Klassenvergleich, auf einem guten Niveau. Das gilt auch für das Raumgefühl auf den manuell verstellbaren, großzügig geschnittenen Vordersitzen. Der Kofferraum schluckt 352 Liter Gepäck. Nach dem Vorklappen der geteilten Rücksitzlehne entsteht eine leicht ansteigende Fläche, das maximale Volumen steigt auf 1.155 Liter. Unter dem doppelten Ladeboden minimiert beim Mildhybrid-Modell der 48V-Akku das Kellerabteil.
Zwei Motorvarianten werden für den Kai Stonic angeboten. Die Basis stellt der Dreizylinder 1.0 T-GDI mit 74 kW / 100 PS dar, er ist mit manuellem Schaltgetriebe oder einem Doppelkupplungsgetriebe mit sieben Vorwärtsgängen bestellbar. Diese Wahl lässt auch die 85 kW / 115 PS starke Variante des Einliter-Benziners, die als 48-Volt-Mildhybrid elektrifiziert ist. Mit diesem Antrieb und 7-Gang-DCT ist unser Testwagen ausgestattet.
Was kann der Mildhybrid?
Der Dreizylinder-Antrieb arbeitet mit guten Manieren, nur beim Ausdrehen in hohe Regionen wird das Verbrennungsprinzip des Motors deutlich hörbar. Störender ist eher die Tatsache, dass das Doppelkupplungsgetriebe auch bei niedrigem Tempo in der Stadt einen derart hohen Gang einlegt, dass der Benziner niedertourig brummt, beispielsweise in sehr langen Tempo-30-Zonen. Die spürbare Rekuperation beim Loslassen des Gaspedals hilft innerorts beim Verzögern vor Kreuzungen und Ampeln. Im Pendlerverkehr steht der Widerstand manchmal einem entspannten Fahrfluss im Weg. Da hilft die Segel-Funktion mit ausgeschaltetem Motor. In diesem Zustand kann der Stonic auch weitere Strecken lokal emissionsfrei rollen. Vor Ortseinfahrten oder Kurven, wenn man den Fuß auf das Bremspedal stellt, schaltet sich der Dreizylinder zur Ausnutzung der Motorbremse wieder zu. Das System arbeitet zuverlässig und ohne Vibrationen und dabei auch sparsam. Der Verbrauch liegt im Test-Durchschnitt bei 6,2 l/100 km und damit – trotz teils sehr kalten Wintertagen – nur knapp über der WLTP-Normangabe von 5,6 l/100 km.
Der effiziente Umgang mit Kraftstoff liegt dem Stonic 1.0 T-GDI besser als sportliche Disziplinen. Seine 200 Newtonmeter Drehmoment werden vom Getriebe eher gemächlich verwaltet, richtig dynamisch geht es nie voran – was von einem City-SUV aber auch nicht wirklich erwartet wird. In 10,8 Sekunden ist, den Werksangaben zufolge, Landstraßentempo 100 erreicht, auf der freien Autobahn geht es weiter bis zur Höchstgeschwindigkeit von 182 km/h.
Unterwegs piept es leider arg oft. Auch dann, wenn man – trotz konfiguriertem Shortcut über die Favoriten-Taste auf dem Lenkrad in drei Stufen erreichbar – die Geschwindigkeitswarnung der nicht immer treffsicheren Verkehrszeichenerkennung stummgeschaltet hat. Manche Warnsignale sind auch nach längerer Zeit nicht zuordenbar, werden auch nicht parallel mit einem optischen Signal erklärt.
Ausstattung und Preise
Die Preise für den überarbeiteten Kia Stonic beginnen bei 23.490 Euro für das Basismodell Core mit 100 PS und Schaltgetriebe. Der hier gezeigte Stonic Spirit bringt neben der Einzonen-Klimaautomatik und Heizung für Lenkrad sowie Vordersitze auch 17-Zoll-Leichtmetallfelgen, schlüssellosen Zugang, einen automatisch abblendenden Innenspiegel und den 115 PS starken Mildhybrid-Antrieb mit. Mit dem optionalen Doppelkupplungsgetriebe liegt sein Listenpreis bei 29.590 Euro. Die Metalliclackierung in „Sparkling Silver“ sowie ein Assistenz-Paket mit Totwinkelwarner, Querverkehrsüberwachung und adaptiver Geschwindigkeitsregelanlage heben ihn auf 31.070 Euro an. Wie alle Kia-Modelle bringt auch der Stonic eine Neuwagengarantie für den Zeitraum von sieben Jahren bis zu einer Laufleistung von 150.000 Kilometern mit.
Fazit
Neun Jahre nach dem Start wird der Kia Stonic abermals aufgefrischt. Das Facelift sorgt für einen modernen Auftritt, innen zieht ein neues Cockpit ein. Fahrkomfort und Antrieb des Stonic passen auch heute noch gut in die Zeit. Das hohe Alter der Basis merkt man an Kleinigkeiten wie der kabelgebundenen Smartphone-Integration.
Die Preise liegen auf dem Niveau der Mitbewerber in Form von Mitsubishi ASX / Renault Captur, Seat Arona und Co., dazu kommt eine lange Neuwagengarantie. Auch heute ist der Kia Stonic noch ein gutes Angebot und zeigt dabei, dass geschickte Modellpflege eine Baureihe auch nach langer Bauzeit noch frischhalten kann.
Technische Daten
Kia Stonic 1.0 T-GDI Spirit
- Antriebsart
- 48V-Mildhybrid-Benziner
- Antrieb
- Frontantrieb
- Abgasnorm
- Euro 6e bis
- Hubraum
- 998 ccm
- Anzahl und Bauform Zylinder
- 3 in Reihe
- Maximale Leistung kW / PS
- 85 kW / 115 PS bei 6.000 U/min
- Max. Drehmoment
- 200 Nm bei 2.000 - 3.000 U/min
- Getriebe
- Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe
- Tankinhalt
- 45 Liter
- Beschleunigung 0-100 km/h
- 10,8 Sekunden
- Höchstgeschwindigkeit
- 182 km/h
- Norm-Verbrauch auf 100km
- 5,6 Liter
- Verbrauch real auf 100km
- 6,2 Liter
- Kofferraumvolumen
- 352- 1.155 Liter
- Reifenmarke und –format des Testwagens
- Michelin Alpin7 205/55 R17
- Leergewicht
- 1.363 kg
- Anhängelast (gebremst)
- 900 kg
- Stützlast
- 75 kg
- Dachlast
- 70 kg
- Länge / Breite / Höhe
- 4.165 / 1.760 / 1.520 mm
- Basispreis Baureihe
- 23.490 Euro
- Basispreis Modellvariante
- 29.590 Euro
- Testwagenpreis
- 31.070 Euro