Der Renault Clio mit Basis-Benziner im Alltagstest mit Video-Review.
Es ist gewiss nicht übertrieben, den neuen Renault Clio als eine der wichtigsten automobilen Neuheiten der vergangenen Monate zu bezeichnen. In einer Zeit, in der die Hersteller augenscheinlich nur noch auf große SUV setzen und sich Kunden vom Elektro-Bonus weiter verunsichert fühlen, setzen die Franzosen als klassischer „Vollsortimenter“ (neben SUV und Elektroautos aller Größen) auch weiterhin auf den klassischen Kleinwagen.
Vertraute Basis, neuer Look
Auf der Messe IAA Mobility im September 2025 feierte die sechste Generation des Clio ihre Weltpremiere, zum Jahreswechsel kam sie in die Autohäuser. Dort soll der 4,12 Meter lange Fünftürer nicht nur Bestandskunden ansprechen, sondern auch bei der Konkurrenz wildern. Die Voraussetzungen könnten kaum besser sein. Etablierte Kleinwagen wie Ford Fiesta oder Kia Rio wurden aussortiert. Dass sich die Entwicklung, die Homologation und die Vermarktung eines weniger teuren Autos auch dieser Tage noch rechnen kann, zeigt der Clio. Die Neuauflage nutzt die Plattform des Vorgängers weiter, wirkt dabei trotzdem komplett neu.
Das liegt vor allem am auffälligen Design. Mit dem gelernten Muster, das den Clio über die beiden letzten Auflagen begleitete, bricht das neue Modell. Scheinwerfer und Rückleuchten stecken mit kleinen Leuchtkörpern in schwarzen Rahmen, das Tagahrlicht spannt sich um das Dekor im vorderen Stoßfänger. Auch der weit nach vorne gereckte Kühlergrill und die flache Heckscheibe über der stark akzentuierten Abrisskante an der Kofferraumklappe fallen auf. Etwas überschminkt wirken jedoch die hochglänzend schwarzen Leisten an den Radläufen.
Der Renault Clio TCe 115 im Video
Die eierlegende Wollmilchsau will der Kleinwagen nicht sein. Das Kofferraumvolumen mit 327 Litern hinter einer hohen Ladekante (301 Liter beim Hybrid-Clio) und der knappe Knieraum im Fond zeigen die Grenzen des Formats und des Designs. Seat Ibiza, Skoda Fabia und VW Polo bieten für die Mitfahrer in er zweiten Reihe und für das Gepäck mehr Platz.
Fahrer und Beifahrer freuen sich im Renault Clio über einen mehr als ausreichenden Freiraum für Beine und Schultern, leider sind die Sitzflächen auch in diesem Modell des französischen Konzerns (inklusive Dacia) zu flach. Vor allem auf langen Strecken stört die geringe Auflagefläche für die Oberschenkel. Beim Ein- und Aussteigen ist Fahrern mit langen Beinen zudem der Armaturenträger im Weg.
Das Cockpit mit zwei großen Displays ist gut strukturiert, die Bedienung über den zentralen Touchscreen läuft flüssig. Die wichtigsten Funktionen der Einzonen-Klimaautomatik (im Basismodell Evolution ist eine manuelle Klimaanlage serienmäßig) lassen sich auch über gewohnt solide Kippschalter steuern. Auch im Renault Clio kann man (ab dem zweiten Niveau namens Techno) Google-Software nutzen. Für die Routenführung steht Google Maps bereit, auch mit der Einblendung der Kartengrafik ins Display direkt vor dem Fahrer. Der Google Assistant hört zu, über den Play Store lassen sich Apps wie die von Musik-Streamingdiensten ins Auto laden. Oder man verbindet einfach sein eigenes Smartphone kabellos via Apple CarPlay oder Android Auto mit dem Infotainment-System. Ein einmal gekoppeltes Gerät wird nach dem Einsteigen schnell erkannt und das entsprechende Menü läuft meist, bevor man den ersten Gang eingelegt hat, um loszufahren.
Was kann der Basismotor?
Dabei muss man im Fall unseres Testwagens auch die Kupplung betätigen. Nach den ersten Probefahrten mit dem Renault Clio Hybrid (158 PS Systemleistung) Ende 2025 haben wir uns für den Alltagstest das Basismodell ausgesucht. Hier steckt ein aufgeladener 1,2-Liter-Dreizylinder-Benziner mit 85 kW / 115 PS unter der Haube. Im Vergleich zum Vorgänger, den es als Sauger SCe mit 65 PS und als 90 PS starken Turbo gab, überspringt der neue Clio also zwei Leistungsstufen. Optional gibt es für den TCe 115 ein Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe für 1.500 Euro Aufpreis.
Der lange Hebel der manuellen Schaltbox im Testwagen sorgt für recht lange Wege, Feingeister monieren zudem leicht knochiges Einrasten am Ende einer Schaltgasse. Mit seinen Übersetzungen passt das Getriebe aber gut zum Basis-Benziner, der im Bereich zwischen 1.750 und 4.000 U/min ein maximales Drehmoment von 190 Newtonmetern bereitstellt. Der knapp über 1,2 Tonnen schwere Clio ist stets ausreichend motorisiert. Im Alltagsverkehr gefällt auch die gute Geräuschdämmung des Antriebs. Typisches Dreizylinder-Knurren fehlt fast völlig. Nur bei hohen Drehzahlen hebt der Verbrenner seine Stimme. Aber auch Dauertempo 160 auf der Autobahn wird nicht nervig – bis auf deutlich hörbare Windgeräusche um die A-Säulen und Außenspiegel.
18-Zoll-Felgen gehören beim Clio Techno zur Sonderausstattung, sie sind am Testwagen montiert. Auch mit den großen Rädern gefällt der Fahrkomfort in den meisten Fällen. Mit den serienmäßigen 16-Zöllern dürfte der Kleinwagen aber bei niedrigem Tempo im Bereich von 30 bis 50 km/h eleganter über Wurzelaufbrüche und Querfugen hinwegsehen.
Der Testverbrauch pendelt sich bei 6,2 l / 100 km ein und liegt damit gut einen Liter über dem WLTP-Normwert (5,1 l / 100 km). Mit sensiblem Gasfuß schaffen Pendler auch Werte von knapp unter sechs Litern je 100 Kilometer. Auf eine Elektrifizierung verzichtet Renault beim Basis-Clio bewusst. Sparsamer – aber auch teurer – ist der oben erwähnte Clio Hybrid. Im Ausland gibt es auch eine Motorvariante mit bivalenter Auslegung für den Betrieb mit Flüssiggas (LGP, Autogas) und Benzin, die Eco-G 120 heißt. Bei uns ist im Konzerngeflecht einzig die Schwestermarke Dacia für die LPG-Marktnische zuständig.
Der Fernlichtassistent ohne adaptive Funktionen kümmert sich zuverlässig um das Auf- und Abblenden bei Nachtfahrten. Das Fernlicht an sich verdient aber Kritik. Es leuchtet weder weit noch hell. An den kleinen Scheinwerfern kann es übrigens nicht liegen, das LED-Abblendlicht ist sehr ordentlich.
Los geht´s bei 19.900 Euro
„Absolut Grün“ heißt die Farbe, die wir hier auf den Fotos und im Video zeigen. Diese Farbe gibt es beim neuen Renault Clio ohne Mehrpreis. Eine gute Wahl – auch als Gegenpol zum grauen Einerlei auf den Straßen. Trotz der deutlich höheren Motorleistung im Vergleich zum Vorgänger wurde der Renault Clio, im Vergleich zum Vorgänger, kaum teurer. Als TCe 115 ist der in der Linie Evolution ab 19.900 Euro zu haben. Der Aufstieg zum Techno-Level kostet 1.700 Euro, das ganze Auto dann also ab 21.600 Euro. Dafür bekommt man dann u.a. 16-Zoll-Leichtmetallfelgen anstelle von Stahlfelgen mit Radvollblenden, Rückfahrkamera, Regensensor, eine vielfach einstellbare Ambientebeleuchtung, automatisch einklappbare Außenspiegel und eine Mittelarmlehne vorne. Außerdem ziehen die erwähnten Google-Services mit ein. Die Konnektivität dazu ist aber nur für drei Jahre gratis. Eine Verlängerung auf fünf Jahre kostet 100 Euro, oder man zahlt 200 Euro für acht Jahre. Eine etwas kleinliche Preisgestaltung, wie wir finden.
Das Gesamtpaket Renault Clio ist dafür fair kalkuliert. Unser Testwagen kommt mit Winterpaket (Sitzheizung vorne, höhenverstellbarer Beifahrersitz), erweiterter Fahrassistenz und 18-Zoll-Rädern auf einen Listenpreis von 23.250 Euro.
Fazit
Der Renault Clio gefällt im Alltagstest auch mit und vor allem durch den 115 PS starken Basis-Benziner. Der Dreizylinder ist kräftig genug und hat gute Manieren. Wer den Aufpreis von 1.500 Euro nicht scheut, der sollte über das optionale Doppelkupplungsgetriebe mit Automatik-Funktion nachdenken. Zu Preisen ab 19.900 Euro (mit Schaltgetriebe) ist der Renault Clio auch monetär ein attraktives Angebot.
Technische Daten
Renault Clio TCe 115 Techno
- Antriebsart
- Benziner
- Antrieb
- Frontantrieb
- Hubraum
- 1.199
- Anzahl und Bauform Zylinder
- 3 in Reihe
- Maximale Leistung kW / PS
- 84 kw / 115 PS bei 4.350 - 5.500 U/min
- Max. Drehmoment
- 190 Nm bei 1.750 - 4.000 U/min
- Getriebe
- Sechsgang-Schaltgetriebe
- Tankinhalt
- 42 Liter
- Beschleunigung 0-100 km/h
- 10,0 Sekunden
- Höchstgeschwindigkeit
- 180 km/h
- Norm-Verbrauch auf 100km
- 5,1 Liter
- Verbrauch real auf 100km
- 6,2 Liter
- Kofferraumvolumen
- 327 - 1.176 Liter
- Reifenmarke und –format des Testwagens
- Bridgestone Blizzak 205/45 R18
- Leergewicht
- 1.202 kg
- Anhängelast (gebremst)
- 900 kg
- Stützlast
- 75 kg
- Dachlast
- 80 kg
- Länge / Breite / Höhe
- 4.116 / 1.768 / 1.451 mm
- Basispreis Baureihe
- 19.900 Euro
- Basispreis Modellvariante
- 21.600 Euro
- Testwagenpreis
- 23.250 Euro