Changan Deepal S05 (2026)

Changan Deepal S05 (2026) Neu am Start und schon im Test

9:11 Min.

Der Changan Deepal S05 im Alltagstest mit Video-Review.

Die Liste der chinesischen Autohersteller, die in Europa und damit auch bei uns in Deutschland an den Start rollen, wird stetig länger. Auch Changan exportiert Fahrzeuge zu uns. Nie gehört? Das soll sich ändern, wenn es nach den Strategen des Herstellers geht.

Ein kleiner Player ist Changan mit Sitz in Chongqing keineswegs. Seit 1982 werden Nutzfahrzeuge produziert, 1990 rollte der erste Pkw vom Band. Eigenen Angaben zufolge ist man der viertgrößte Autohersteller Chinas. Ein Blick auf Statistiken zeigt: Mit rund 2,9 Millionen Autos im vergangenen Jahr liegt Changan beim globalen Ausstoß vor BMW oder Renault. Aktuell ist Changan in 117 Ländern präsent, 16 davon liegen in Europa. In China ist Changan Kooperationspartner von Mazda. Die aktuellen Elektroautos der Japaner, der Mazda6e und das SUV-Modell CX-6e basieren auf Changan-Technologie. Außerdem gehört eine Beteiligung an Avatr zum Changan-Universum.

In Deutschland noch unbekannt

Aus Sicht deutscher Kunden finden Marke und Modelle noch nicht wirklich statt. Die Website listet gerade einmal vier Händler in Deutschland auf, bei denen zwei Modelle der Marke Deepal in den Verkaufsräumen stehen. Das KBA (Kraftfahrt-Bundesamt) verzeichnet für Januar und Febraur 2026 insgesamt 13 Deepal-Zulassungen. Man plant wohl vorsichtig, auch die Marketing-Maschinerie ist noch nicht angelaufen. Wir konnten aber bereits im Alltagstest erste Erfahrungen mit dem Changan Deepal S05 sammeln.

Der S05 ist das kleinere von zwei aktuellen Crossover-Modellen der Chinesen. Mit einer Länge von 4,60 Metern, einer Breite von 1,90 Metern und einer Höhe von 1,60 Metern buhlt er um das Interesse von Kunden, die sonst auch Elektro-Modelle wie den Hyundai Ioniq 5, den Cupra Tavascan oder den Xpeng G6 auf ihrem Wunschzettel notiert haben.

Der Deepal S05 im Video

Das Design des Deepal S05 wirkt stimmig. Das Auto fällt interessierten Betrachtern im Straßenverkehr auf, ohne effekthaschend zu sein. Für das Design der Modelle zeichnet Klaus Zyciora verantwortlich. Der oberste Gestalter von Changan stand früher in Diensten von Volkswagen. Eine Ähnlichkeit zum Ex-Konzern des Designers gibt es am Heck. Mit der flachen Scheibe, dem breiten LED-Band und dem illuminierten Dreieck als Logo erinnert die Rückansicht des S05 stark an den Cupra Formentor.

Der Kofferraum schluckt 492 Liter Gepäck. Sehr clever: Es lässt sich nicht nur die Rücksitzlehne geteilt nach vorne klappen. Man kann auch die Sitzpolster im Fond bewegen. Der maximal 1.250 Liter große Laderaum hat somit eine wirklich ebene Fläche. Vorne gibt es einen weiteren Laderaum mit üppigen 152 Litern Volumen für Ladekabel und Co. In beiden Reihen freut man sich auch als großer Mensch über viel Platz im Innenraum. Verarbeitung und Materialqualität genügen auch hohen Ansprüchen. Auch detailverliebte Menschen staunen: Sogar das Loch im Cockpit für den Spiegel des Head-up Displays mit AR-Inhalten ist seitlich mit Filz ausgeschlagen.

Die hochauflösende Anzeige in der Windschutzscheibe ersetzt ein Kombiinstrument hinter dem Lenkrad, hier folgt Changan im Deepal S05 dem aktuellen Asia-Auto-Zeitgeist. Zentrale Schnittstelle für Informationen und Bedienung ist das 15,6 Zoll (39 cm) große Touchscreen-Display in der Mittelkonsole. Der Monitor sitzt auf einem beweglichen Kugelgelenk. Je nach Einstellung im entsprechenden Menü neigt er sich elektrisch in Richtung Fahrer und bleibt mittig stehen. Außerdem ist er an eine Sitzbelegungserkennung gekoppelt. Wenn der Beifahrer, beispielsweise bei einem Ladevorgang, im Auto bleibt und der Fahrer aussteigt, dreht sich die Anzeige nach rechts.

Entertainment-Apps können direkt im System genutzt werden, außerdem lässt sich ein Smartphone via Apple CarPlay oder Android Auto kabellos integrieren. Die Verbindung wird, auch bei mehreren gekoppelten Geräten, nach dem Einstieg ins Fahrzeug direkt aufgebaut, lästiges Warten oder das Klicken auf Bestätigungen in einer Geräteliste entfallen.

Die deutschen Übersetzungen in den vielfältigen Menüs sind meist korrekt und ohne wirre Abkürzungen ausgeführt. Die vollständig digitale Bedienstruktur beinhaltet auch die Einstellung der Außenspiegel oder die Aktivierung des statischen Fernlichtassistenten. Wichtige Klimafunktionen können über eine feststehende Icon-Leiste am unteren Rand des Bildschirms angesteuert werden. Das System merkt sich dabei, ob man die Sitzheizung oder -lüftung zuvor aktiviert hatte und bleibt in dieser Funktion. Erst wenn man das ändern möchte, muss man mit mehreren Klicks ins Sitzklima-Menü einsteigen. Eher dürftig ist die Leistung der einstufigen Lenkradheizung.

Test-Erfahrungen

Der Innenraum gefällt mit guten Platzverhältnissen und einer routinierten Verarbeitung.

Der Deepal S05 wird mit 200 kW (272 PS) starken Heckmotor-Antrieb oder als Allradversion angeboten, hier mit zusätzlicher 120-kW-Maschine vorne. Die kombinierte Leistung liegt bei 320 kW (435 PS). Wie fühlt sich das im Alltag an?

Der immerhin knapp über zwei Tonnen schwere Allradler beschleunigt stets zügig, die Werksangabe von 5,5 Sekunden für den Spurt von null auf 100 km/h erscheint glaubhaft. Beim Tritt auf das rechte Pedal wird jedoch stets mit einer leichten Verzögerung beschleunigt, die Kraft des Antriebs fällt also nicht über Fahrer und Insassen her. Über das entsprechende Menü auf dem Touchscreen-Display kann man verschiedene Fahrmodi auswählen, die auch die spürbare Rekuperations-Leistung beeinflussen. Im „Eco“-Modus ist der Widerstand deutlich spürbar. Schön wäre eine Möglichkeit, mittels Schaltwippen am Lenkrad direkt in die Rekuperation eingreifen zu können.

Einfacher lässt sich die adaptive Geschwindigkeitsregelanlage aktivieren. Ein zweifacher Zug am rechten Lenkstockhebel reicht, dann hält der Changan Tempo, Spur und Abstand. Beim Aufschließen auf langsamere Fahrzeuge wirkt entspannt verzögert, beim Spurwechsel ohne Verzögerung wieder auf die eingestellte Geschwindigkeit beschleunigt. Auf der Autobahn fährt der Deepal S05 erst bei 207 km/h Tachoanzeige in den Begrenzer. Auch bei hohem Tempo gefällt der Geradeauslauf, man fühlt sich nie unsicher.

Nervig ist der teils übergriffe Spurhalteassistent auf kurvigen Landstraßen, er sollte bei Überlandtouren ausgeschaltet werden. Bei einer solchen Fahrt fällt auch die um die Mittellase leicht taube Lenkung negativ auf. Lob verdient dagegen die Fahrwerksabstimmung, die einen hohen Komfort mit guter Rückmeldung vom Asphalt verbindet.

Reichweite und Laden

Wenn man mit niedrigem SoC zum Boxenstopp fährt, lädt der Akku konstant mit rund 170 kW.

Der LFP-Akku (Lithium-Eisenphosphat) im Deepal S05 hat eine Speicherkapazität von 68,8 kWh. Beim Allradmodell soll diese Energiemenge, nach WLTP-Norm mit einem Verbrauch von 17,5 kWh/100 km, für eine Reichweite von 445 Kilometern genügen. In unserem Testalltag mit Überlandstrecken und relativ geringem Stadtverkehrs-Anteil lässt sich eine Reichweite von knapp über 400 Kilometern realisieren.

An der heimischen Wallbox oder an einer öffentlichen Ladesäule wird Strom über drei Phasen mit 11 kW gezogen. Am Schnelllader sind, dem Hersteller zufolge, bis zu 200 kW möglich. Wenn man mit einem niedrigen Füllstand des Akkus im einstelligen Bereich zum Boxenstopp rollt, dann kommt man da fast hin. Bei Frühjahrstemperaturen um 13 Grad und längerer Strecke zum „Warmfahren“ klettert die Anzeige ganz kurz auf einen Peak von 189 kW, hält aber ein konstantes Plateau bei 170 kW. Erst bei 80% SoC (State of Charge sinkt die Ladeleistung deutlich. Mehr dazu gibt es im Video zu diesem Testbericht zu sehen.

Wichtig zu wissen: Um eine hohe Ladeleistung über den CCS-Anschluss zu erreichen, sollte der Akku fast leer sein. Bei mehreren Versuchen mit 25 oder auch 30 Prozent Füllstand bleibt es bei maximal 85 kW Ladeleistung.

Preis und Ausstattung

Das Head-up-Display und der neigbare Touchscreen gehören zur höheren Ausstattungslinie Max.

Der Deepal S05 wird zu Preisen ab 38.990 Euro angeboten. Das Basismodell mit 200 kW (272 PS) hört auf die Zusatzbezeichnung Pro, es bringt u.a. die Infotainment-Ausstattung mit Navigationssystem und Smartphone-Integration, Wärmepumpe und eine 360-Grad-Rundumsicht mit. Für 3.000 Euro Aufpreis wird der S05 zum Max. Hier kommen ein Panorama-Glasdache (ohne Öffnungsfunktion), 20 statt 18 Zoll große Leichtmetallfelgen mit Aero-Abdeckungen, die runde Energieanzeige in der fahrerseitigen C-Säule als Design-Detail, elektrische Heckklappe, elektrisch verstellbare Vordersitze mit Memoryfunktion für den Fahrerplatz, der neigbare Touchscreen, das Head-up-Display, induktives Laden für ein Smartphone mit 50 Watt Leistung, Lenkrad- und Sitzheizung sowie Sitzlüftung und ein automatisch abblendbarer Innenspiegel dazu.

Weitere 3.000 Euro kostet das Upgrade zum Allradmodell mit mehr Leistung, der Listenpreis liegt hier also bei 44.990 Euro. Damit ist der Changan Deepal S05 ein – verhältnismüßig – günstiges Angebot. Auch Mitbewerber aus China, wie der Xpeng G6 AED, kosten deutlich mehr. Changan will das Vertrauen der Kunden außerdem mit einer 5-Sterne-Bewertung im Euro-NCAP-Crashtest und einer Neuwagengarantie für den Zeitraum von sieben Jahren bis zu einer Laufleistung von 160.000 Kilometern gewinnen. Die Akku-Garantie läuft über acht Jahre bis 200.000 Kilometer.

Im Elektroauto-Markt spielen aber vor allem gute Leasing-Angebote eine wichtige Rolle. Hier gibt es von Changan noch keine beworbenen Angebote, dafür dürfte die Marktpräsenz noch zu gering sein.

Fazit

Die Anhängelast des Deepal S05 beträgt 1.600 Kilogramm.

Der Changan Deepal S05 macht beim ersten Alltagstest einen guten Eindruck. Fahrwerk, Antrieb und Infotainment-Software weisen einen hohen Entwicklungsstand auf. Dazu kommt eine routinierte Verarbeitung. Wenn man es richtig anstellt, dann passt auch die Ladeleistung des LFP-Akkus.

Jetzt liegt es am Hersteller, mit Marketing und einem größeren Händlernetz die Bekanntheit von Marke und Modellen zu steigern. Wenn Changan dabei ein ähnliches Geschick an den Tag legt wie bei der Entwicklung des Deepal S05, dann dürfte das gelingen – ohne einfach nur mit einer Vielzahl von Autos für Mietwagenfirmen und Abo-Anbieter für „Sichtbarkeit“ ohne Bezug zu sorgen.

Technische Daten
Changan Deepal S05 AWD Max

Antriebsart
Elektro
Antrieb
Allradantrieb
Getriebe
Eingang-Reduktionsgetriebe
Elektromotor vorn: Maximale Leistung kW
120 kW (163 PS)
Elektromotor vorn: Nennleistung KW
212 Nm
Elektromotor hinten: Maximale Leistung kW
200 kW (272 PS)
Elektromotor hinten: Nennleistung KW
290 Nm
Systemleistung: kW / PS
320 kW (435 PS)
Batterie
68,8 kWh
Batterie: Typ
LFP (Lithium-Eisenphosphat)
Maximale Ladeleistung Gleichstrom (DC)
200 kW
Ladeleistung Gleichstrom (DC) im Test
170 kW konstant, 189 kW Peak
Maximale Ladeleistung Wechselstrom (AC)
11 kW (dreiphasig)
Beschleunigung 0-100 km/h
5,5 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit
180 km/h
Norm-Verbrauch kWh / 100 km
17,5 kWh
Reichweite nach Norm
445 Kilometer
Realer Verbrauch im Testzeitraum kWh/100 km
17,8 kWh
Reichweite im Alltag
ca. 400 km
Kofferraumvolumen
492 - 1.250 Liter + Frunk 152 Liter
Leergewicht
2.040 kg
Anhängelast (gebremst)
1.600 kg
Stützlast
75 kg
Länge / Breite / Höhe
4.598 / 1.900 / 1.600 mm
Basispreis Baureihe
38.990 Euro
Basispreis Modellvariante
44.990 Euro
Text: Bernd Conrad
Bilder: Matthias Gill, Bernd Conrad