Toyota bZ4X Touring 2026

Toyota bZ4X Touring 2026 Dieser Toyota heißt wie ein BMW und wird bei Subaru gebaut

9:33 Min.

Elektro-Kombi aus Japan: Der Toyota bZ4X Touring im ersten Fahrbericht.

Der Name Toyota steht fast schon sinnbildlich für Hybridantriebe, also elektrifizierte Verbrenner mit geringem Durst. Das Thema Elektroauto wurde von den Japanern erst später und zu Beginn auch mit weniger Nachdruck angegangenen als von Mitbewerbern. Der größte Autohersteller der Welt hat aber aufgeholt. Im Rahmen seiner „Multi Path“-Strategie, die ein breites Portfolio vom reinen Benziner und Mildhybrid-Diesel über Hybride mit und ohne Stecker und auch die Wasserstoff-Brennstoffzelle umfasst, gehört mittlerweile auch ein breites Elektroauto-Angebot.

14cm länger als der bZ4X

Zeitgeistige Kunden werden dabei mit SUV in unterschiedlichen Grüßen bedient. Der kleine Toyota Urban Cruiser entsteht in Kooperation mit Suzuki, er läuft in Indien gemeinsam mit dem e Vitara vom Band. Darüber rangieren drei Modelle, die sich die Plattform e-TNGA (Toyota New Global Architecture) teilen. Zu C-HR+ und bZ4X gesellt sich jetzt mit dem neuen bZ4X Touring ein Modell, das auf wenig Konkurrenz im Markt stößt.

Der Touring ist eine um 14 Zentimeter auf 4,83 Meter verlängerte Variante des jüngst umfangreich überarbeiteten Fließheck-SUV bZ4X. Trotz der deutlich sichtbaren SUV-Folklore und einer Bodenfreiheit von 21 Zentimetern darf der Japaner als Kombi gelten. Mit ihm tritt Toyota als vor allem gegen den VW ID.7 Tourer an, andere Elektrokombis der Premiumhersteller in Form von Audi A6 e-tron Avant und BMW i5 Touring sind deutlich teurer. Ein weiterer Mitbewerber für den verlängerten bZ4X kommt aus der gleichen Fabrik in Japan. Kooperationspartner Subaru baut den Kombi auch mit eigenem Logo, zu uns kommt er im zweiten Halbjahr als Subaru e-Outback .

Zwei Antriebsvarianten

Unter der vorderen Haube steckt in jedem Fall ein Elektromotor, das Topmodell hat auch eine Maschine an der Hinterachse.

In der Variante mit Allradantrieb ist der Toyota bZ4X Touring das leistungsstärkste Modell der Marke. 280 kW (380 PS) Systemleistung wird von den beiden Elektromotoren (e-Axles) serviert. In 4,5 Sekunden geht es aus dem Stand auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit wird bei 180 km/h limitiert. Das Volumenmodell der Braureihe soll jedoch der bZ4X Touring mit Frontantrieb werden. Hier treibt ein Motor mit 165 kW (224 PS) die Vorderräder an. Strom kommt aus einem Lithium-Ionen-Akku mit 74,7 kWh Speicherkapazität, davon sind 71 kWh nutzbar. Beide Werte liegen leicht über denen der Batterie im kürzeren bZ4X (und dem Subaru Solterra), da bei den Kombis ein anderer Akku-Zulieferer die Stromspeicher liefert.

Bis zu 591 Kilometer Reichweite sollen beim Basis-Touring mit 18-Zoll-Rädern nach WLTP-Norm möglich sein. Der Allradler schafft laut Datenblatt 528 Kilometer, in Verbindung mit der höheren Ausstattungslinie Lounge und 20-Zoll-Bereifung bleiben 479 Kilometer übrig. Letztere bringt einen 22-kW-AC-Lader mit. An öffentlichen Ladesäulen im urbanen Raum ist der Akku also in unter vier Stunden vollgeladen. Das spart nicht nur Blockier-Gebühren, sondern lässt sich auch gut in den Alltag integrieren. Die Teamplayer-Modelle belassen es bei 11 kW Ladeleistung über den Typ-2-Stecker. Nur durchschnittlich: Über den CCS-Anschluss werden bis zu 150 kW erreicht, der Füllstand des Akkus soll in 28 Minuten von zehn auf 80 Prozent gebracht werden können.

Fahreindruck und Verbrauch

Auf ersten Testfahrten gefällt der Federungskomfort, auch die Lenkung arbeitet sehr harmonisch.

Für unsere ersten Testfahrten in Slowenien suchen wir uns den Toyota bZ4X mit Frontantrieb in der Basisausstattung Teamplayer aus. Auf kurvigen Bergstraßen sorgt der 165-kW-Motor für ausreichend hurtigen Vortrieb. 269 Newtonmeter Drehmoment liegen an. Die reichen, um am Kurvenausgang auch auf trockenem Asphalt die Traktionskontrolle zum Dienst zu bitten. Die Arbeit des Regelsystems ist aber nur durch eine kleine gelbe Warnleuchte im digitalen Kombiinstrument zu bemerken. Nichts ruckt oder stottert im Gebälk. Eilige Richtungswechsel quittiert der 1,67 Meter hohe Aufbau zudem mit spürbaren Karosseriebewegungen um die Längsachse. Bevor wir jetzt aber weiter in die Themaverfehlung hineindriften, bleibt klarzustellen: Ein großer SUV-Kombi mit Elektroantrieb ist kein Sportwagen, sondern will vor allem ein komfortables Familienauto sein.

Diese Eigenschaft unterstreicht der knapp unter zwei Tonnen schwere Japaner auf unseren Testfahrten mit gediegenem Federungskomfort. Lange und kurze Wellen werden von Federn und Dämpfern sehr gut gefiltert, auch Querfugen schluckt das Fahrwerk ohne Aufsehen. Die 18-Zoll-Räder unterstützen den Fahrkomfort im Fernvergleich zum einem früher getesteten Toyota bZ4X mit 20-Zöllern spürbar. Ausreichend Feedback bietet die Lenkung, ohne übertrieben spitz abgestimmt zu sein. Die mit grauem Stoff bespannten Sitze bieten großzügige Auflageflächen für Gesäß und Rücken. Die Sitzposition passt, trotz es tiefstehenden Lenkrads. Die breite Mittelkonsole drückt jedoch in Kurven manchmal ans Knie.

Der Bordcomputer meldet am Ende unserer Testfahrten (ohne Autobahn und ohne Stadtverkehr) einen Durchschnittsverbrauch von 15,9 kWh / 100 km. Das liegt nur leicht über der Normangabe von 14,0 kWh. Genaueres kann erst ein späterer Test im Alltag klären.

Als großer Fahrer blickt man über den Lenkradkranz, der bei Toyota im Gegensatz zu den eng verwandten Subaru-Schwestermodellen rund und nicht abgeflacht ist, auf das Instrumenten-Display, dessen Anzeigen gut ablesbar sind. Mittig steht der 14 Zoll große Infotainment-Touchscreen im Raum. Hier kann die Routenführung des Navigationssystem mit Ladeplanung und Vorkonditionierung des Akkus gesteuert werden. Smartphone-Inhalte lassen sich kabellos über Apple CarPlay und Android Auto anzeigen. Gut gelöst: Der Warnton der Tempo-Überwachung lässt sich mit einem Klick am oberen Rand des Bildschirms deaktivieren. Die Schaltfläche fällt aber arg klein aus.

Große Passagiere im Fond freuen sich über mehr Platz nach oben unter dem geradlinigen Kombi-Dach. Es bleibt jedoch beim geringen Abstand zwischen Innenboden mit Akku und Sitzfläche, man muss die Beine also recht stark anwinkeln. Zwei USB-C-Anschlüsse in der Mittelkonsole, Lüftungs-Ausströmer und Ablagetaschen an den Rückseiten der Vordersitzlehnen sorgen für Komfort auf Reisen. Stoffe und Dekore im Innenraum wirken in ihren Grauschattierungen recht trist, erfreuen aber mit einer meist guten Haptik. Der Verzicht auf hochglänzend schwarze Verkleidungen freut Menschen, die nicht täglich im Auto staubwischen wollen.

Der im wahrsten Sinne des Wortes größte Unterschied zum Fließheck-Modell steckt hinter der elektrischen Heckklapp des Toyota bZ4X Touring. Das Kofferraumvolumen steigt um knapp 50 Prozent auf 669 Liter. Nach dem Umklappen der zweigeteilten Rücksitzlehne, was man bequem mit Zughebels in der Kofferraumverkleidung erledigen kann, wächst der Laderaum auf 1.718 Liter. Leider ist der Boden dann nicht ganz eben. Wie bei vielen Importmodellen fehlt auch dem Touring eine Netztrennwand zur Sicherung von sperriger Ladung bei starken Bremsmanövern oder im Falle eines Unfalls.

Preise und Ausstattung

Rechts die Basis Teamplayer, links der bZ4X Touring Lounge mit 20-Zoll-Felgen.

Toyota bietet den bZ4X Touring, wie beschrieben, in zwei Ausstattungslinien an. Das Basismodell Teamplayer mit Frontantrieb kostet 51.990 Euro. Der Aufpreis zum 14 Zentimeter kürzeren bZ4X mit schräger Heckscheibe liegt bei üppigen 4.000 Euro. Zur Serienausstattung gehören adaptive LED-Scheinwerfer, 18-Zoll-Leichtmetallfelgen, Heizung für Vordersitze und Lenkradkranz, das Navigationssystem, Zweizonen-Klimaautomatik, induktives Laden für zwei Smartphones und die elektrische Heckklappe. Für 55.000 Euro bekommt man diese Ausstattung mit Allradantrieb und einer Systemleistung von 280 kW (380 PS).

Der bZ4X Touring Lounge wird nur als Allradler zum Preis von 59.500 Euro angeboten, der Mehrpreis im Vergleich zur Teamplayer-Ausstattung liegt somit bei 4.500 Euro. Dafür sind zusätzlich Kunstlederbezüge, Sitzheizung und -lüftung in beiden Reihen, eine elektrische Verstellmöglichkeit auch für den Beifahrersitz, Spurwechsel- und Querverkehrsassistent, ein feststehendes Panorama-Glasdach und 20-Zoll-Leichtmetallfelgen mit dabei. Außerdem bringt die Lounge-Ausstattung das 22-kW-Ladegerät und eine von 750 auf 1.500 Kilogramm erhöhte Anhängelast mit.

Unser Testwagen trägt die Gratis-Lackierung in „Ice Siver“, andere Karosseriefarben kosten 790 bis 1.090 Euro mehr. Für die Linie Lounge kann man optional ein JBL-Soundsystem mit neun Lautsprechern für 790 Euro extra ordern.

Unnützes Wissen

Der Toyota bZ4X Touring kommt einige Monate vor dem Subaru e-Outback bei uns auf den Markt.

Eine Besonderheit wurde dem Toyota bZ4X Touring in die Wiege gelegt. Während C-HR+ und bZ4X bei Toyota, wie auch die entsprechenden Subaru-Derivate Uncharted und Solterra (C-HR+ Produktion für Europa in der Türkei, die drei anderen Modelle kommen aus Japan) gebaut werden, entsteht der Kombi, gemeinsam mit dem Subaru e-Outback, in einem japanischen Subaru-Werk. Der Kooperationspartner hatte bei der Entwicklung der längeren Karosserievariante auch den Hut auf.

Die Modellbezeichnung Touring darf der Toyota übrigens problemlos tragen, wie auch der Nio ET5 Touring aus China. Obwohl dieser Name seit den 1960er-Jahren für BMW-Modelle mit Heckklappe (zuerst ein Dreitürer, bis heute die Kombis) verwendet wird, handelt es sich dabei nicht um eine eingetragene Marke der Münchner.

Fazit

Der Toyota bZ4X Touring gefällt mit seinem schlüsseigen Konzept. Wie er in den Alltag passt, klärt ein späterer Test.

Ein 14 Zentimeter längeres Heck mit Kombi-Form ändert den Charakter des Toyota bZ4X. Der Elektro-Japaner wird nicht nur geräumiger, er tritt mit Dachreling und dunklen Felgen sowie unlackierten Kunststoffplanken an den Radhäusern auch abenteuerlustiger auf als das Fließheck-Modell.

Bei den ersten Testfahrten fällt beim Basismodell mit Frontantrieb und 18-Zoll-Felgen der hohe Federungskomfort auf, der Antrieb bietet ausreichend Kraft. Für mehr Traktion empfiehlt sich die Allrad-Option mit zweitem Motor an der Hinterachse. Der Toyota bZ4X Touring kostet üppige 4.000 Euro mehr als das Schrägheck-SUV-Modell, die Listenpreise starten bei 51.990 Euro.

Technische Daten
Toyota bZ4X Touring

Antriebsart
Elektro
Antrieb
Frontantrieb
Maximale Leistung kW / PS
165 kW (224 PS)
Max. Drehmoment
269 Nm
Getriebe
Eingang-Reduktionsgetriebe
Batterie
74,7 kWh brutto / 71 kWh netto
Batterie: Typ
Lithium-Ionen
Maximale Ladeleistung Gleichstrom (DC)
150 kW
Maximale Ladeleistung Wechselstrom (AC)
11 kW (dreiphasig)
Beschleunigung 0-100 km/h
7,3 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit
160 km/h
Norm-Verbrauch kWh / 100 km
14,0 kWh
Reichweite nach Norm
591 Kilometer
Realer Verbrauch im Testzeitraum kWh/100 km
15,8 kWh (lt. Bordcomputer)
Kofferraumvolumen
669 - 1.718 Liter
Leergewicht
1.900 - 1.990 kg
Anhängelast (gebremst)
750 kg
Stützlast
75 kg
Dachlast
80 kg
Länge / Breite / Höhe
4.830 / 1.860 / 1.675 mm
Basispreis Baureihe
51.990 Euro
Basispreis Modellvariante
51.990 Euro
Testwagenpreis
51.990 Euro
Text: Bernd Conrad