Der KGM Musso Grand im ersten Fahrbericht mit Video-Review.
Der südkoreanische Hersteller KGM (KG Mobility) erneuert das Pick-up-Doppel Musso und Musso Grand. Beide Modelle werden künftig parallel zum etwas kleineren Musso EV mit Elektroantrieb angeboten. Von ihm unterscheiden sich die Verbrenner nicht nur im Format, sondern auch in der Ausprägung. Mit Leiterrahmen und zuschaltbarem Allradantrieb samt Untersetzung sind sie Offroad-taugliche Lastesel mit bis zu 3,5 Tonnen Anhängelast.
Was ist neu?
Ein klassisches Facelift ist die Überarbeitung nicht mehr. Auf der bekannten Basis sitzt eine fast vollständig erneuerte Karosserie. Nur die vorderen Türen und das Dach wurden vom Vorgänger übernommen. Die steile Front trägt den Modellschriftzug auf der Haube über einer LED-Leiste und dem großen Lufteinlass. Die Hauptscheinwerfer sitzen unter der Tagfahrlicht-/Blinker-Kombination im Stoßfänger, weiter unten separate Nebenscheinwerfer. Die Profilansicht wirkt ruhiger und gestreckter, die im Blech betonten Rundungen über den Radausschnitten sind entfallen. In den Kunststoffverkleidungen um die Radhäuser (wie die Unterseiten der Stoßfänger an Front und Heck praktischerweise unlackiert) stecken Reflektoren im Stil von Positionsleuchten als Design-Effekt. Im Gegensatz zur Front trägt das Heck den Markennamen KGM zur Schau. Die drei großen Buchstaben sind in einer schwarzen Verblendung auf der Ladeklappe eingelassen. Die Ecken des Stoßfängers bieten Trittstufen zum Verzurren von Ladung.
Wie bisher fährt der Pick-up aus Südkorea stets als Doppelkabine vor, beide Karosserievarianten unterscheiden sich in Radstand und Ladefläche. Der KGM Musso Grand misst künftig 5,46 Meter in der Länge. Er ist damit etwa 5,5 Zentimeter länger als der Vorgänger. Der Unterschied zum Musso ohne Zusatzbezeichnung liegt weiterhin in 31 Zentimetern mehr Außenlänge und elf Zentimetern mehr Radstand (3,21 statt 3,10 Meter). Außerdem gibt es einen Unterschied in der Bauart. Unter dem KGM Musso steckt eine fünffach gelagerte Hinterachse mit Schraubenfedern, der Musso Grand setzt klassenüblich auf Blattfedern. Die Bodenfreiheit wurde erhöht, was für einen größeren Rampenwinkel sorgt. Bem Fahren über Kuppen oder an Einfahrten setzt das Fahrzeug also erst später auf. Beim kürzeren Musso wurde der Winkel von 20 auf 30,6 Grad gesteigert, beim Musso Grand von 19,5 auf 30,9 Grad.
Der KGM Musso Grand im Video
Unverändert bleiben die Abmessungen der Ladefläche. Sie ist 1,57 Meter breit (ohne Abzug der Radhäuser) und hat eine 57 Zentimeter hohe Bordwand. Die Länge liegt bei 1,30 (Musso) bzw. 1,61 Metern (Musso Grand). Im neuen Modell gibt es erstmals eine LED-Ladeflächenbeleuchtung mit solidem und wasserfestem Schalter, außerdem wurde die Zahl der soliden Verzurrösen von vier auf acht erhöht.
Das Cockpit im südkoreanischen Pick-up wurde erst vor kurzer Zeit aufgefrischt, seitdem steht ein 12,3 Zoll großer Touchscreen über den Lüftungsdüsen auf der Mittelkonsole. Neu ist die kabellose Integration von Smartphone-Inhalten über Apple CarPlay und Android Auto. Dazu passend kann das Telefon jetzt induktiv geladen werden. Die entsprechende Ablage befindet sich in einer neugestalteten Fläche zwischen den Vordersitzen vor dem Schalt- bzw. Automatik-Wählhebel. Der Allradantrieb ist intuitiv über einen Drehschalter aktivierbar, ebenso die Gelände-Untersetzung. Mit dem Modellwechsel entfällt der physische Handbremshebel, die elektrische Parkbremse ist über eine kleine Taste aktivierbar. Weitere Änderungen im Innenraum sind der geänderte Pralltopf des Dreispeichen-Multifunktionslenkrads mit KGM-Logo, ein fünfter Dreipunkt-Gurt auf den Mittelplatz im Fond und zwei USB-C-Anschlüsse in der zweiten Sitzreihe.
Der erste Kennenlern-Termin mit dem neuen KGM Musso Grand findet in einem Kieswerk statt. Für uns eine Motivation schon jetzt zur ersten Probefahrt mit zugeschalteter Vorderachse auf Geröll im Matsch zu starten. Der 2,2 Liter große Vierzylinder-Dieselmotor mit 148 kW / 202 PS sorgt auch weiterhin für Vortrieb. Beim handgeschalteten Modell liefert er im Bereich zwischen 1.800 und 2.800 U/min ein maximales Drehmoment von 400 Newtonmetern, in Verbindung mit der Sechsstufen-Automatik von AISIN liegen sogar 441 Newtonmeter zwischen 1.600 und 2.600 U/min an.
Mit zugeschaltetem Allradantrieb hat der Pick-up im winterkalten Matsch und auf Geröll eine stets gute Traktion, die Kraft des Motors ist über das Gaspedal gut dosierbar. Auch beim Rangieren mit großer Verschränkung knarzt nichts. Die Karosserie ist steif, alle Materialien im Innenraum sind passgenau verarbeitet. Schweres Gelände ist heute nicht angesagt. Es reicht schon, dass wir das frisch aus dem Container gerollte Auto ordentlich verschmutzen. Nach der Wasserdurchfahrt sind die gröbsten Steine und der meiste Schlamm aus dem Profil der Reifen gespült. Wir verlassen das Werksgelände und fahren auf die Landstraße. Der Diesel grummelt entspannt im Hintergrund. Nachdem man mit einigen Klicks auf dem Touchscreen-Display auch die dauer-bimmelnde Tempowarnung deaktiviert hat, sammelt man entspannt Kilometer. Der Fahrkomfort liegt auf dem guten Niveau des Vorgängers. Klar, ein SUV mit Einzelradaufhängung federt manierlicher, aber im Segment der Pick-ups gibt es wahrlich ungehobeltere Mitbewerber.
Marktstart und Preis
Der neue KGM Musso wird im Frühsommer bei den Händlern stehen. Preise sind aktuell nicht bekannt, sie dürften aber leicht über denen des Vorgängers liegen. Der startete zuletzt bei 38.990 Euro in Verbindung mit der Basis-Ausstattung und manuellem Schaltgetriebe. Der Aufpreis für die Verlängerung zum Musso Grand lag bei 1.500 Euro.
Das Angebot für den Pick-up wird nach dem Modellwechsel auf die zwei Ausstattungslinien Core und Lux konzentriert. Beide kommen mit einer Neuwagengarantie für den Zeitraum von fünf Jahren bis zu einer Laufleistung von 150.000 Kilometern.
Fazit
Der KGM Musso bekommt eine umfassende Überarbeitung, bei der fast die gesamte Karosserie neugestaltet wird. Das Design wirkt deutlich moderner als bisher, wenngleich der Koreaner damit austauschbarer wird. Dem Verkaufserfolg dürfte der Wandel beim optischen Auftritt freilich guttun. Zum neuen Look gibt es weitere Verbesserungen bei der Ausstattung und der Konnektivität. Unter der Haube arbeitet auch künftig der bewährte, kräftige Dieselmotor, der bei Bedarf alle vier Räder antreibt. Mit attraktiven Preisen und der hohen Anhängelast von bis zu 3,5 Tonnen ist der Südkoreaner auch in neuester Fassung eine feste Größe im Pick-up-Markt.
Technische Daten
KGM Musso Grand
- Antriebsart
- Diesel
- Antrieb
- zuschaltbarer Allradantrieb
- Abgasnorm
- Euro 6e
- Hubraum
- 2.157 ccm
- Anzahl und Bauform Zylinder
- 4 in Reihe
- Maximale Leistung kW / PS
- 148 kW / 202 PS bei 3.800 U/min
- Max. Drehmoment
- 441 Nm bei 1.600 - 2.600 U/min
- Getriebe
- Sechstufen-Automatik
- Tankinhalt
- 75 Liter
- Reifenmarke und –format des Testwagens
- Nexen N´Blue 205/50 R20
- Leergewicht
- ca. 2.200 kg
- Anhängelast (gebremst)
- 3.500 kg
- Länge / Breite / Höhe
- 5.460 / 1.950 / 1.885 mm
- Basispreis Baureihe
- ca. 40.500 Euro