Erste Probefahrt mit Offroad-Test zur Premiere des Mini Countryman Untamed Edition.
Wie kaum eine andere Marke bietet die BMW-Tochter Mini ihren Kunden eine Vielzahl von Individualisierungsmöglichkeiten. Zudem werden regelmäßig Sonderserien und Zubehörpakete aufgelegt. Kurz nach dem dreitürigen Mini Cooper Oxford Edition zeigt sich jetzt das SUV in der Modellfamilie im Abenteuer-Look: Der Mini Countryman Untamed Edition. Wir gehen wir Weltpremiere direkt auf eine erste Testfahrt.
Was ist anders?
Der Name soll Programm sein, „untamed“ ist mit „ungezähmt“ oder „unaufhaltbar“ zu übersetzen. Gleichzeitig führt der Zusatz Edition ein Stück weit hinters Licht. Der fünftürige Countryman im Abenteuer-Gewand ist kein klassisches Sondermodell. Das Ausstattungspaket wird es in Europa als Option geben, nicht als egenständige Modellvariante.
Schwarze Schutzfolien an den Radläufen, den Seitenschwellern und auf der Motorhaube schützen den Lack für Steinschlägen und Kratzern. Die Stoßfänger tragen, wie auch die Verblendungen an den Radhäusern und die Schwellerabdeckungen, ein neues Design. Unterfahrschutz-Elemente an Front und Heck tragen den Farbton „Dark Steel“, der auch für weitere Designakzente an der Karosserie und im Innenraum eingesetzt wird. Deutlich zu erkennen ist der Mini Countryman Untamed Edition zudem an einem geänderten Kühlergrill mit vertikalen Streben. Mit „Hideaway Grey“ und „Nomad Blue“, letztere auf Wunsch auch in matt, stehen exklusive Lackierungen zur Wahl. Innen zeigen sich spezielle Sitzbezüge im Strick-Gewebe und robuste, abwaschbare Gummimatten auf dem Boden und im Kofferraum. Zwischen den Sportsitzen in der ersten Reihe wird eine robuste Ablage-Box mit Spanngurten geparkt.
Bei den Verbrenner-Modellen lassen sich der Mini Countryman C (1,5 Liter Benziner, 125 kW / 170 PS Systemleistung als Mildhybrid), der Countryman S ALL4 mit Allradantrieb (2,0 Liter Benziner, 160 kW / 218 PS Systemleistung als Mildhybrid) und der selbstzündende Countryman D (2,0 Liter Diesel, ebenfalls ein 48V-Mildhybrid mit 120 kW / 163 PS) als Untamed Edition ordern. Auch die beiden Elektro-Varianten des 4,45 Meter langen Kompakt-SUV in Form des Countryman E (Frontantrieb, 150 kW (204 PS)) und des Countryman SE 4ALL (Allradantrieb mit zwei Motoren, 230 kW (313 PS) Systemleistung) stehen zur Wahl.
Der Mini Countryman Untamed Edition mit Elektroantrieb hat mit einer um bis zu 19 Millimeter erhöhten Bodenfreiheit (im Vergleich zu den regulären Modellen) leichte Vorteile im Gelände, damit schließen die Modelle zu den Verbrennern auf. Diese mit der Standard-Fahrwerkshöhe. Eine weitere Anhebung hätte neue Crashtests zum Fußgängerschutz erfordert. Optional wird man Offroad-Reifen des Typs Pirelle Scorpion All Terrain Plus auf 19-Zoll-Felgen, ein Dachzelt des Spezialisten Autohome und Camping-Zubehör beim Mini-Händler bestellen können.
Der Offroad-Mini im Test
Wir haben im Rahmen der Premiere die Gelegenheit, den Mini Countryman S 4ALL Untamed Edition in den USA zu testen. Hier sind die Pirelli-All-Terrain-Reifen Serie, ebenso eine um 19 Millimeter erhöhte Bodenfreiheit auch für die Verbrenner-Modelle. Das sorgt schon auf den ersten Blick für einen deutlich geänderten Countryman-Charakter. Und hat handfeste Vorteile beim Fahren im Gelände. Das dürfen wir auf dem Twin Peaks Trail am Südufer des Lake Tahoe, durch den die Grenze zwischen den US-Bundesstaaten Kalifornien und Nevada verläuft, erfahren.
Auf trockenem Geröll schraubt sich der 218 PS starek Benziner den Berg hinauf. Wir fahren im "L"-Modus des Siebengang-Doppelkupplungsgetriebes und wählen unter den Fahrmodi die eigentlich für sportliche Fahrten auf der Rundstrecke gedachte GoKart-Einstellung. Jetzt ist die Stabilitätskontrolle ausgeschaltet und du hast mehr Freiheiten, mit gezielten Gaspedalbewegungen das Auto offroad voranzubringen. Die variable Kraftverteilung des Allradantriebs hilft beim Vorankommen, auch wenn ein Rad im Sand steckt. An Stellen mit tiefen Furchen und Löchern hält der Mini öfter ein oder zwei Räder in der Luft, zum waschechten Geländewagen wird das Kompakt-SUV auf mit der dezenten Höherlegung nicht. An Kuppen oder sehr steilen Auffahrten setzt das Auto somit auch mal leicht auf, ohne aber sichtbaren Schaden davonzutragen. Die Unterfahrschutz-Elemente an den Stoßfängern an Front und Heck sind optisch wirksame Kunststoffblenden, keine tatsächlichen Metallauflagen.
Auf der Straße fällt das, im Vergleich zu normalen Straßenreifen, das etwas lautere Abrollen der grobstolligen Pirelli-Pneus auf. Die Fahrwerkserhöhung wird von den Ingenieuren mit einer strafferen Dämpferkennlinie kombiniert. Querfugen und nachlässige Ausbesserungen auf amerikanischen Nebenstrecken kommen somit manchmal nur wenig gefiltert im Innenraum an. Auf der Hauptstraße zeigt der Mini aber auch in dieser, bei uns wie gesagt nicht erhältlichen, Konfigurationen einen hohen Fahrkomfort.
Was kostet die Untamed Edition?
Die günstigste Möglichkeit, ein Mini SUV im Offroad-Look zu fahren, ist der Countryman C Untamed Edition für 42.820 Euro. Der von uns gefahrene Mini Countryman S 4ALL kostet in Deutschland ab 43.320 Euro. Dazu kommt der Mehrpreis der Untamed Edition. Das Paket kostet 4.700 Euro, was den Listenpreis auf 48.020 Euro hievt. Die beiden neuen Farben Hideaway Grey und Nomad Blue kosten, wie auch Schwarz oder Weiß, keinen Aufpreis. Auch die Pirelli Scorpion X auf den modellspezifischen 19-Zoll-Leichtmetallfelgen kann man ohne Zuzahlung wählen. Zusätzlich hält der Konfigurator verschiedene Ausstattungspakete und diverse Einzeloptionen bereit.
Übrigens: der elektrische Mini Countryman SE 4ALL mit einer Systemleistung von 230 kW (313 PS) ist gerade einmal 1.000 Euro teurer als der Mildhybrid-Benziner im S-Modell. Je nach persönlicher Ladesituation hat der Elektriker nicht nur bei den laufenden Energiekosten schnell einen Vorteil. Mutmaßlich ist der, aufgrund des direkt anliegenden Drehmoments der beiden Elektromotoren, auch im Geländeeinsatz sehr kompetent, weil man die Kraft feinfühliger dosieren und sofort abrufen kann. Wir lassen diese Information zur Inspiration für einen weiteren Offroad-Test reifen.
Fazit
Das SUV unter den Mini will nicht nur Pendler- und Kindergarten-Shuttle sein, sondern auch zum großen Abenteuer aufbrechen. Dafür legt die Marke jetzt den Mini Countryman Untamed Edition mit speziellen Design-Details und praktischen Elementen wie den Lackschutzfolien auf. Je nach Motorisierung kommt der Allradantrieb dazu, dann bietet das SUV eine Anhängelast von bis zu 2.000 Kilogramm.
Bei unseren ersten Testfahrten überrascht, wie weit man sich mit dem modifizierten Kompakt-SUV auch über steile Passagen durch das Gelände wühlen kann. Einen Wehrmutstropfen für Offroad-Freunde gibt es dabei aber: Wir waren mit dem Mini Countryman Untamed Edition in den USA unterwegs. Die hier auch bei den Verbrenner-Modellen eingebaute Fahrwerks-Höherlegung gibt es in Europa nicht.