Der neue KGM Actyon im ersten Fahrbericht mit Video-Review
Neue Marke, bekannter Modellname. Für eingefleischte Autofans zumindest. Der südkoreanische Autohersteller SsangYong hat im Jahr 20026 mit dem Actyon die Klasse der SUV-Coupés begründet. Das in den 1950er Jahren gegründete Unternehmen heißt jetzt auch bei uns KGM (KG Mobility). Die neue Vertriebsorganisation ist mit rund 100 Händlern am Start. Das bekannte Modellprogramm des Spezialisten für SUV, Geländewagen und Pick-ups bekommt gleichzeitig Zuwachs: Der Name Actyon wird einmal mehr für ein SUV genutzt, das Design vor maximalen Nutzwert stellt.
Straße statt Feldweg
Ein typisches SUV-Coupé mit schräger Heckscheibe und entsprechenden Einbußen beim Raumangebot ist der neue KGM Actyon aber nicht. Der technische Bruder des Torres ist mit 1,68 Metern nur etwas flacher, streckt sein Blechkleid gleichzeitig aber um einige Zentimeter auf 4,74 Meter in der Länge. Während der KGM Torres robust auftritt, will der Actyon mit weicheren Linien und einem Heck, das leicht an Range Rover erinnert, eher die Straße als den Feldweg zu seinem Laufsteg machen.
Unabhängig davon bieten die Koreaner aber auch diese Baureihe mit Allradantrieb an. Das System ist in der Basisausstattung optional lieferbar, in den beiden höheren Linien wird die Kraft serienmäßig an alle vier Räder übertragen.
Der KGM Actyon im Video
Der Kofferraum fasst 668 Liter Gepäck. Damit liegt das Volumen nur leicht unter dem des Torres. Nach dem Umklappen der Rücksitzlehnen wächst der Laderaum im Actyon auf 1.568 Liter. Dabei steigt die Fläche leicht an. Unter dem doppelten Ladeboden gibt es eine Styropor-Einlage mit Unterteilungen, Kleinkram fliegt also im Kellerabteil nicht wild umher. Liebloser gemacht zeigen sich dagegen die Seitenwände: Kunststoff statt Filzauslage wird schnell verkratzt. Es reicht schon die einmalige Demontage des Abdeckrollos, um Spuren zu hinterlassen.
Im Fond bietet der KGM Torres großzügige Platzverhältnisse. Der Dachverlauf erlaubt eine üppig bemessene Kopffreiheit. Ob sie mit dem in Kürze lieferbaren Panorama-Glasdach reduziert wird, konnten wir noch nicht ausprobieren. Die Kia-Idee der in die vorderen Kopfstützen integrierten Kleiderbügel übernimmt jetzt auch KGM. Ebenso praktisch und kundenorientiert sind weitere Jacken-Haken und Haltegriffe im Dach. Der schwarze Dachhimmel sorgt, zusammen mit dem mächtigen fensterlosen D-Säulen, gefühlt für mehr Dunkelheit als nötig. Auch die – ab der Basisausstattung – serienmäßige Lederausstattung ist schwarz. Hier sorgen rote Kontrastnähte für eine optische Auflockerung. In den beiden Ausstattungslinien Bliss und Lux kann man gegen Aufpreis eine beige-braune Innenausstattung ordern oder eine schwarz-rote Variante mit Mikrofaser-Material in Wildleder-Optik.
Vorne sitzt man hoch auf bequemen Ledersesseln, die sich im Modell Lux beide elektrisch einstellen lassen (Fahrersitz ab der Basis elektrisch einstellbar). Wie die äußeren Fondplätze sind die Sitze vorne zudem beheizbar. Auch eine Sitzlüftung gehört zur Serienausstattung. Die Cockpitarchitektur mit zwei 12,3 Zoll großen Displays unter einer gemeinsamen Abdeckung erinnert, wie die Kopfstützen-Bügel, an Kia. Gut gelöst: Die Dekorleiste auf dem Armaturenbrett kann als Handablage genutzt werden, was die Steuerung des zentralen Touchscreen-Monitors erleichtert. Ein Navigationssystem mit TomTom-Kartenmaterial ist serienmäßig an Bord. Smartphone-Inhalte lassen sich mit Apple CarPlay oder Android Auto integrieren und nutzen. Dafür ist aber leider eine Kabelverbindung notwendig. Nun gut, da auch eine induktive Lade-Ablage fehlt (trotz prima dafür geeigneter Ablage in der Mittelkonsole), muss man eh einen der gut erreichbaren USB-C-Steckplätze benutzen.
Eine Vielzahl von Einstellmöglichkeiten erfolgt über das Menü im digitalen Kombiinstrument, welches man per Tasten im Multifunktionslenkrad steuert. Hier lässt sich auch, etwas versteckt und nach mehreren Schritten erreichbar, die akustisch Tempowarnung deaktivieren. Dieser Weg ist ratsam, denn die Signaltöne im Auto sind alles andere als dezent.
Benziner mit 163 PS

Die Fahrstufe der Sechsstufen-Wandlerautomatik wird über einen kleinen Knubbel auf der freischwebenden Mittelkonsole eingelegt. Für Vortrieb sorgt der KGM-Standardmotor für die kleinen und kompakten Baureihen Tivoli, Korando und Torres mit Actyon: Ein Vierzylinder-Turbo mit 1,5 Litern Hubraum, der eine Leistung von 120 kW / 163 PS entwickelt.
Bei niedrigen Drehzahlen bleibt der Benziner akustisch im Hintergrund. Wird, beispielsweise nach einer Ortsausfahrt oder bei einem Überholvorgang, stark beschleunigt, steigt der Lautstärkepegel aber spürbar an. Das gilt auch für den Benzinverbrauch. Die Antriebsvariante mit Automatikgetriebe und Allradantrieb hat einen WLTP-Normwert von üppigen 9,0 l / 100 km. Außer einer Start-Stopp-Automatik sind keine effizienzfördernden Maßnahmen an Bord. 2026 soll ein Vollhybrid die Modellpalette erweitern, nachdem im Herbst 2025 zuerst der Torres Hybrid anrollen darf.
Die Fahrwerksabstimmung des KGM Actyon ist von straffer Natur. Vor allem im Fond erhält man unterwegs zu viele Informationen über die Beschaffenheit der Straßenoberfläche. Etwas weichere Federn könnten Abhilfe schaffen. Die serienmäßigen 20-Zoll-Felgen tragen gewiss ebenfalls einen Teil der Verantwortung für das rustikale Nicht-Wegstecken von Querfugen, kurzen Wellen und Asphaltflicken.
Preise und Ausstattung

Die KGM-Händler bieten den Actyon zu Preisen ab 35.790 Euro an. Dafür steht die Basis-Ausstattung mit dem Namen Core im Konfigurator und in der Preisliste. Spätestens nach einem Check der Serienausstattung erkennt man, dass die koreanische Marke künftig auch mit attraktiven Preisen punkten will.
Lederbezüge, Sitzheizung vorne und hinten, Sitzlüftung, ein elektrisch verstellbarer Fahrersitz sowie die 20-Zoll-Felgen wurden bereits erwähnt. Außerdem sind Zweizonen-Klimaautomatik, Lenkradheizung, stark getönte Scheiben im Fond und eine Rückfahrkamera ab Werk eingebaut. Eine adaptive Geschwindigkeitsregelanlage gibt es, in Verbindung mit dem ebenfalls optionalen Automatikgetriebe, gegen Aufpreis. Ansonsten sind Allradantrieb und Metalliclacke wählbar, weitere Einzeloptionen gibt es nicht.
Der KGM Actyon Bliss kostet 39.450 Euro. Inklusive Automatik. Der Mehrpreis – ohne Berücksichtigung des Getriebes – zum Modell Core liegt bei 1.460 Euro. Dafür sind zusätzlich Einparksensoren auch an der Front, schlüsselloser Zugang, ein automatisch abblendbarer Innenspiegel, Totwinkelüberwachung und Querverkehrswarner mit dabei.
Jetzt kann man für üppige 1.100 Euro die elektrische Heckklappe einzeln bestellen, außerdem die adaptive Geschwindigkeitsregelanlage. Mit ihr hält das Auto nicht nur das eingestellte Tempo, sondern auch den Abstand zum Vordermann. In allen Actyon wird zudem vor dem Verlassen der Fahrspur gewarnt.
Was kostet der Testwagen?

Die Top-Ausstattung heißt Lux. Sie liegt mit 42.250 Euro um 2.800 Euro über dem Actyon Bliss. Wenn man die jetzt serienmäßige adaptive Geschwindigkeitsregelanlage und die elektrische Heckklappen-Betätigung berücksichtigt, liegt der Mehrpreis bei 1.200 Euro. Der monetäre Gegenwert für eine 360-Grad-Rundumsicht mit mehr Kameras und eine Ausstiegswarnung bei Fahrzeugen im toten Winkel.
Sieben Lackfarben stehen zur Wahl. Unser Testwagen zeigt das Gratis-Weiß, die schwarze Kontrastlackierung für das Dach kostet jedoch 600 Euro mehr. Dazu kommt der Allradantrieb für 2.200 Euro – womit das hier auf den Fotos und im Video gezeigte Auto einen Listenpreis von 45.050 Euro verkörpert. Viel Geld, aber im Vergleich zu anderen asiatischen SUV dieser Größe mit Allradantrieb gilt der KGM-Tarif durchaus al fair.
Jeder Neuwagen der Koreaner fährt mit einer Garantie von fünf Jahren bis 100.000 Kilometer Laufleistung vom Hof des Händlers. Weder für Geld noch gute Worte bekommt man jedoch besseres Licht in Form von adaptiven Funktionen für die LED-Scheinwerfer. Die Linsen liegen zudem, unterhalb der LED für Tagfahrlicht und Blinker, weiter unten im Stoßfänger – schon Parkrempler können unter Umständen für teure Schäden sorgen.
Fazit

Der KGM Actyon fährt als optisch differenzierte Alternative zum Torres vor, mit dem er sich Plattform und Antriebstechnik teilt. Der Nutzwert bei Kofferraumvolumen und den Platzverhältnissen im Fond wird nur minimal eingeschränkt. Unverändert bleibt auch die Anhängelast von 1.500 Kilogramm, die man per Herstellerbescheinigung auf 1,8 Tonnen erweitern lassen kann.
Die Preise des Actyon sind, vor allem angesichts der umfangreichen Serienausstattung, attraktiv. Auch wenn moderne Dinge wie adaptive Scheinwerfer und eine kabellose Smartphone-Integration fehlen. Für Kritik sorgen die straffe Federung und der mutmaßlich auch im Alltag hohe Benzinverbrauch.
Nach dem Neustart unter Namen KGM und der kundenfreundlicheren Preispositionierung der gesamten Modellpalette will der Hersteller den Absatz in Deutschland schon dieses Jahr mehr als verdoppeln. 5.000 Einheiten sind geplant. Der Actyon bringt viele Voraussetzungen mit, einen ordentlichen Teil zu diesem Ergebnis beizutragen.
Technische Daten
KGM ACTYON 1.5 GDI Turbo AWD
- Antriebsart
- Benziner
- Antrieb
- Allradantrieb
- Abgasnorm
- Euro 6e
- Hubraum
- 1.497 ccm
- Anzahl und Bauform Zylinder
- 4 in Reihe
- Maximale Leistung kW / PS
- 120 kW / 163 PS bei 5.000 - 5.500 U/min
- Max. Drehmoment
- 280 Nm bei 1.500 - 4.000 U/min
- Getriebe
- Sechsstufen-Automatik
- Tankinhalt
- 50 Liter
- Höchstgeschwindigkeit
- 191 km/h
- Norm-Verbrauch auf 100km
- 9,0 Liter
- Kofferraumvolumen
- 668 - 1.568 Liter
- Reifenmarke und –format des Testwagens
- Michelin Primacy Tour 245/45 R20
- Anhängelast (gebremst)
- 1.500 kg
- Länge / Breite / Höhe
- 4.740 / 1.910 / 1.680 mm
- Basispreis Baureihe
- 35.790 Euro
- Testwagenpreis
- 45.050 Euro