MG HS Hybrid+ 2026

MG HS Hybrid+ 2026 Rocken Sie Ihr Leben!

8:40 Min.

Nur ein Vorschlag, und zwar vom MG HS Hybrid+. Was kann der Chinese im Alltags-Test?

„Rocken Sie Ihr Leben, mit MG“ (deutsch ausgesprochen, also „Em Geh“) oder „Umarmen Sie die Welt und entdecken Sie Neues!“. So und mit ähnlichen Sprüchen, manchmal aber auch nur mit einem dagegen fast schon profanen „Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag“ begrüßt die weibliche Stimme den MG-Fahrer nach dem Start des Fahrzeugs. Meist als Überraschung, da man nicht immer so willkommen geheißen wird. Außerdem meldet sich das Auto manchmal direkt nach dem Druck des Startknopfs, manchmal erst rund eine Minute nach Fahrtantritt. So viel Zeit für die Einleitung muss auch mal sein, jetzt kümmern wir uns aber um das Fahrzeug und den Test an sich.

So funktioniert die Technik

MG, mit 26.479 Neuzulassungen 2025 die absatzstärkste China-Marke vor BYD (23.306 Autos), erweitert ihr Modellangebot im heiß umkämpften SUV-Markt mit einer dritten Motorvariante des HS. Auf den reinen Verbrenner und den Plug-in Hybriden folgt jetzt der MG HS Hybrid+. Kenner der Marke wissen: Hinter dieser Modellbezeichnung steckt ein Vollhybrid, also ein von einem Elektromotor unterstützter Benziner ohne Stecker zum externen Aufladen der Batterie.

Das „Plus“ im Modellnamen will die SAIC-Tochter wörtlich verstanden wissen. Der LFP-Akku (Lithium-Eisenphosphat) hat mit 1,83 kWh eine - verhältnismäßig - üppige Speicherkapazität. Geladen wird er unterwegs beim Bremsen und durch Rekuperation oder durch den 1,5 Liter großen Benzinmotor. Die Software im HS schaltet, je nach Bedarf, zwischen unterschiedlichen Hybrid-Modi umher. Als serieller Hybrid lässt das SUV seine Vorderräder vom 146 kW (199 PS) starken Elektromotor antreiben. Der Benziner, der eine Leistung von 104 kW / 143 PS ins Datenblatt diktiert, arbeitet als Kraftwerk für die Stromproduktion unter der Haube, die Energie fließt über den Akku in die E-Maschine.

Bei diesem Arbeitsprinzip, dem auch die Nissan e-Power – Modelle sowie Hybride und Honda und der Mitsubishi Outlander PHEV folgen, ist die Drehzahl des Benziners auch akustisch von Beschleunigung und Verzögerung entkoppelt. Der MG HS nimmt zügig und linear Tempo aus, erinnert hier mit dem direkt anliegenden Drehmoment von 340 Newtonmeter an ein Elektroauto. Schöner wäre es, wenn der Vierzylinder-Benziner optisch besser gedämmt arbeiten würde. Vor allem bei niedrigem Tempo oder auch beim Halt an einer roten Ampel, wo der Motor überraschen oft vor sich hinläuft, ist er deutlich zu hören.

Bei niedrigem Akku-Füllstand, stärkerem Leistungsabruf oder auch bei höherem Tempo wechselt der Antrieb in den parallelen Hybridmodus. Davon spürt man hinter dem Lenkrad nichts, wenn man nicht gerade auf die Energieflussanzeige im digitalen Kombiinstrument blickt. Auch die Arbeit es Zweigang-Automatikgetriebes findet dezent im Hintergrund statt. Der Hybrid ist ein weiteres Zeugnis der hohen Kompetenz von Konzern (SAIC) und Marke (MG) bei der Entwicklung elektrifizierter Antriebe.

Wie sparsam ist der Hybrid?

Strom für den Elektromotor produziert der MG HS Hybrid+ an Bord, ein Kabel kan nicht angesteckt werden.

Im Alltag fühlt sich der HS zwar selten nach 165 kW / 224 PS Systemleistung an, dieses Schicksal teilt er aber mit vielen anderen Hybriden. Die Beschleunigung von null auf 100 km/h wird in 7,9 Sekunden erledigt, bei 190 km/h erreicht der Chinese seine Höchstgeschwindigkeit. Beide Werte reichen im Umgang mit einem SUV voll und ganz aus.

Mit seinem geschliffenen Charakter lädt der HS Hybrid+ zum entspannten Fahren ein. Leider quittiert er dies jedoch nicht mit starker Zurückhaltung an der Zapfsäule. Im Testalltag, bei dem überwiegend im Stadt- und Überlandverkehr auf typischen Pendlerstrecken gefahren wird, pendelt sich der Benzindurst bei 6,7 l/100 km ein. Damit liegt der MG nicht nur deutlich über der WLTP-Angabe von 5,5 Litern, sondern auch auf dem Niveau von technisch deutlich weniger aufwendigeren Mildhybriden der SUV-Konkurrenz.

Die weiche Fahrwerksabstimmung vermittelt einen komfortablen Eindruck, empfindliche Menschen spüren jedoch, vor allem auf der Rücksitzbank, stets Aufbaubewegungen der Karosserie. Die Flauschigkeit des Reisens wird durch weiche Polster unterstrichen. Große Menschen beklagen jedoch arg kurze Sitzflächen vorne mit entsprechend geringer Oberschenkelauflage. Das ermüdet auf längeren Strecken.

Viel Platz für die Familie

Vor allem in der zweiten Reihe bietet der Chinese üppige Platzverhältnisse.

Abgesehen davon bietet der MG HS vorne viel Platz. Die Kaufentscheidung einer Familie dürfte spätestens bei der Sitzprobe in der zweiten Reihe für dieses Modell ausfallen. Die Bank ist angenehm hoch über den Innenboden postiert, dazu kommt viel Luft vor den Knien und auch am Kopf. Üppig ist auch der Kofferraum mit 507 Litern Volumen bei aufgestellter Rücksitzlehne. Auch die Seitenwände im Ladeabteil sind mit Teppich ausgeschlagen. Tipps und Tricks für mehr Variabilität und Alltagsnutzen in Form von einer Fernbedienung zum Vorklappen der Fondlehne oder Haken für Einkaufstaschen bietet der MG HS jedoch nicht. Zurück nach vorne ins Passagierabteil: Die durchweg schwarzen Kunststoffe im Innenraum lockern die Atmosphäre mit unterschiedlichen Maserungen und Akzenten in Form scheinbarer Kontrastnähte auf.

Während der Fahrt vermiesen leider stetige Knarz-Geräusche aus der vorderen Mittelkonsole, an der der Fahrersitz reibt, die Stimmung. Auf schlechten Straßen sind zudem manchmal Klappergeräusche aus der vorderen rechten Tür zu vernehmen. Ob sich hierbei um Unpässlichkeiten gerade dieses HS-Exemplars handelt oder die Verarbeitungsgüte allgemein Potenzial für Verbesserungen hat, entzieht sich unserer Kenntnis.

Das rechte der beiden großen Displays im Cockpit erlaubt die Infotainment-Bedienung als Touchscreen. Er muss auch für die Einstellungen der Energie-Rekuperation oder die Wahl des Fahrmodus bemüht werden. Nicht bei jedem Druck mit der Fingerkuppe setzt das System den entsprechenden Befehl sofort um, der Bildschirm reagiert zu träge. Abhilfe schaffen zwei Favoriten-Tasten auf dem Multifunktionslenkrad. Hier kann man sich oft genutzte Funktionen konfigurieren und direkt aufrufen, beispielsweise auch die Steuerung der Fahrassistenz zur Stummschaltung des Tempolimit-Warntons.

Außerdem empfiehlt es sich, die zweite Taste mit der Klimasteuerung zu belegen. So kann man auch bei aktivierter Smartphone-Integration mit der Wippe am Multifunktionslenkrad die Innentemperatur und den Luftstrom ändern. Für die Steuerung von Sitz- und Lenkradheizung muss man jedoch erst ins Hauptmenü und dann zur den Klimaeinstellungen fingern, leicht abgekürzt durch den haptischen Taster für das Hauptmenü unter dem Display. Um Apple CarPlay oder Android Auto zu nutzen, muss man das Smartphone mit einem Kabel über den USB-A-Anschluss in der Mittelkonsole mit dem Auto verbinden.

Günstig wie ein Dacia?

Die beiden großen Displays sind Serie, die Smartphone-Integration gelingt nur mit Kabel.

Preisgefüge und Ausstattungspolitik sind bei MG gewohnt übersichtlich ausgeführt. Der Basis-HS als reiner Benziner in der Linie Comfort mit 170 PS und manuellem Schaltgetriebe startet bei 27.990 Euro, mit Doppelkupplungs-Automatik steigt der Listenpreis auf 29.990 Euro. Die beiden zur Verfügung stehenden Elektrifizierungsstufen kosten jeweils 5.000 Euro mehr. Als Hybrid+ steht der HS also ab 34.990 Euro im Konfigurator, als Plug-in Hybrid ab 39.990 Euro.

Unser Testwagen fährt in der höheren Ausstattungslinie Luxury vor, die für 2.000 Euro Aufpreis u.a. eine Online-Anbindung für der Navigationssystem mit Staudaten, die induktive Smartphone-Ladestation, 360-Grad-Kamerarundumsicht, Parksensoren vorne (zusätzlich zu denen am Heck), Zweizonen-Klimaautomatik, elektrisch verstellbare Vordersitze (ohne Höhenjustierung für den Beifahrer) mit Sitzheizung vorne und eine elektrische Heckklappe mitbringt. Der Preis des HS MG+ liegt in dieser Ausstattung also bei 36.990 Euro. Ein helles Blau ist bei den beiden Hybrid-Versionen die Gratisfarbe. Das hier gezeigte „Pearl White“ kostet 650 Euro Aufpreis – interessanterweise aber nicht beim reinen Benziner, hier kostet Blau extra. Weitere Sonderausstattungen gibt es, bis auf die Möglichkeit zum Wechsel auf eine helle Innenausstattung (1.000 Euro) nicht. Stets mit im Paket ist die MG-Neuwagengarantie für den Zeitraum von sieben Jahren bis zu einer Laufleistung von 150.000 Kilometern.

Kompakte SUV etablierter europäischer Marken sind teils deutlich teurer als der Herausforderer aus China, der mit seiner Preisstruktur nur leicht über dem Dacia Bigster liegt. Gut möglich, dass man nach einer intensiveren Gesprächsrunde am Tisch des MG-Verkaufsberaters den Hauspreis näher an das Dacia-Niveau drücken kann. Der Bigster Hybrid 155 kostet als Journey ab 30.790 Euro.

Fazit

Der MG HS Hybrid+ ist groß, geräumig und günstig. Es gibt aber auch dunkle Flecken auf seiner weißen Weste.

Der MG HS Hybrid+ gefällt mit seinem großzügigen Platzangebot und einem ausgefeilten Hybridantrieb. Ob man das Fahrwerk als komfortabel oder zu schaukelig empfindet, kann man nur nach subjektivem Empfinden auf einer Probefahrt herausfinden. Bei diesem Termin sollten dann alle Familienmitglieder mitkommen.

Der nicht sonderlich niedrige Benzinverbrauch sowie die Knarz- und Klappergeräusche im Innenraum trüben den guten Eindruck jedoch. Penible Naturen werden auch an der Karosserie des SUV aus China einige ungenaue Passungen (Türgriffe) und Spaltmaße (Heckklappe) entdecken. Vertrauen weckt lange Garantie auf den Neuwagen. Wer also über die kleinen Unpässlichkeiten des HS, die man im Rahmen einer Modellpflege bestimmt beheben kann, hinwegsieht, der könnte eine der vielen Inspirationen der Stimme im Auto umsetzen: „Leben Sie Ihr Leben“ – man muss es ja nicht immer gleich rocken…

Bald kommt das Video zum MG HS Hybrid+, schon jetzt im Review: Der Beznziner

Technische Daten
MG HS Hybrid+ Luxury

Antriebsart
Hybrid
Antrieb
Frontantrieb
Hubraum
1.496 ccm
Anzahl und Bauform Zylinder
4 in Reihe
Maximale Leistung kW / PS
104 kW / 143 PS bei 5.500 U/min
Max. Drehmoment
230 Nm
Getriebe
Zweistufen-Automatik
Elektromotor: Maximale Leistung kW
146 kW (199 PS)
Elektromotor: Maximales Drehmoment
340 Nm
Systemleistung: kW / PS
165 kW / 224 PS
Batterie
1,83 kWh
Batterie: Typ
LFP (Lithium-Eisenphosphat)
Tankinhalt
55 Liter
Beschleunigung 0-100 km/h
7,9 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit
190 km/h
Norm-Verbrauch auf 100km
5,5 Liter
Verbrauch real auf 100km
6,7 Liter
Kofferraumvolumen
507 - 1.484 Liter
Reifenmarke und –format des Testwagens
225/55 R19
Leergewicht
1.750 kg
Anhängelast (gebremst)
1.500 kg
Länge / Breite / Höhe
4.670 / 1.890 /
Basispreis Baureihe
27.990 Euro (Benziner mit Handschaltung)
Basispreis Modellvariante
36.990 Euro
Testwagenpreis
37.640 Euro
Text: Bernd Conrad
Bilder: Matthias Gill, Bernd Conrad