Porsche Cayenne Electric (2026)

Porsche Cayenne Electric (2026) Auch elektrisch ein echter Porsche?

7:44 Min.

Der neue Cayenne Electric im ersten Fahrbericht mit Video-Review.

Die Herausforderungen für Autohersteller bei der Planung von Produkt- und Antriebsstrategien als Antwort auf aktuelle Marktentwicklungen werden bei den SUV von Porsche besonders deutlich sichtbar. Vom einst geplanten vollständigen Wechsel zu Elektroautos ist auch dieser Hersteller abgerückt. Während der kleinere Macan aktuell nur mit E-Antrieb zu haben ist und ein neues Verbrenner-Modell entwickelt wird, fährt Porsche beim Cayenne zweigleisig. Der bekannte Verbrenner wird gepflegt und wohl auch noch einen Nachfolger bekommen. Parallel startet jetzt der Cayenne Electric auf der PPE-Plattform (Premium Platform Electric) mit 800-Volt-Technologie für schnelles Laden.

Vom 4,99 Meter langen, 1,98 Meter breiten und 1,68 Meter hohen Elektro-Cayenne werden zum Markstart drei Derivate angeboten, deren Bezeichnungen der gelernten Nomenklatura folgen: Cayenne, Cayenne S und Cayenne Turbo.

Der Fahrbericht

Für die erste Ausfahrt mit der neuen SUV-Generation steht der Porsche Cayenne Electric als Basismodell bereit. Dieser Begriff mag auf den ersten Blick bei einer Systemleistung von 300 kW (408 PS) befremdlich wirken, zumal man bei Launch Control im Overboost sogar auf 325 kW (442 PS) und ein Drehmoment von 835 Newtonmeter setzen kann.

In 4,8 Sekunden beschleunigt dieser Cayenne aus dem Stand auf 100 km/h und wird bei Bedarf bis zu 230 km/h schnell. Im Norden Spaniens rücken heute jedoch die fahrdynamischen Qualitäten des großen Autos in den Vordergrund, nicht die Höchstgeschwindigkeit. Zur serienmäßigen Luftfederung mit adaptiver Steuerung der Dämpfung kommt im Fall des Testwagens auch die optionale Hinterachslenkung dazu. Der Federungskomfort lässt sich auch mit den (ebenfalls optionalen) 22-Zoll-Rädern nicht aus der Ruhe bringen. Gleichzeitig wirkt der Cayenne markentypisch direkt und handlich. Im Vergleich zum Verbrenner-Bruder dem man mit den richtigen Fahrwerksoptionen stets die Agilität eines sportlichen Kompakten bescheinigt, kann das Elektro-SUV sein hohes Gewicht aber nicht kaschieren. Über 2,5 Tonnen bringt das Auto auf die Waage und im Moment auf den Asphalt. Am „GT-Sportlenkrad“ (wie so vieles eine Sonderausstattung) führst du den Cayenne dennoch ohne Mühen auf der selbstgewählten Ideallinie. Die Beschleunigung am Scheitelpunkt und Ausgang der Kurve ist zügig, ohne zu berauschen. Basis-Modell eben mit Luft für den Verkaufsberater, S oder Turbo zu empfehlen. Über den Drehkranz des Mode-Schalters rechts im Lenkrad kannst du in den Sport- oder Sport-Plus-Modus wechseln. Der jetzt angeschärfte Charakter von Antrieb und Lenkung wird auch mit künstlichen Sounds untermalt – in einer individuellen Einstellung kann man diese Geräusche aber auch stummschalten. Auch das Gefühl auf der Bremse ist über jeden Zweifel erhaben. Porsche zufolge können 97% aller Verzögerungswünsche nur durch Energie-Rekuperation erledigt werden, die Reibebremse kommt also vor allem in Notfällen zum Einsatz.

Der Cayenne Electric im Video

Alle fahrrelevanten Anzeigen sind auf dem gebogenen Display hinter dem Lenkrad sowie auf dem (optionalen) Head-up-Display mit AR-Inhalten stets im Blick des Cayenne-Piloten. Der Beifahrer kann währenddessen auf einem zusätzlichen Display vor seinem Sitz (erraten! Es ist eine Sonderausstattung) das Entertainment-Programm verwalten.

Das gebogene „Flow-Display“ in der Mitte des Cockpits zeigt gestochen scharf auch die Satelliten-Ansicht der Navigationskarte an. Feststehende Menü-Kacheln im unteren Bereich verhindern aber eine größere Ansicht (und haben den Entwicklern wohl die Programmierung neuer Ansichten im quadratischen Format erspart). Dank der Handballenauflage in der Mittelkonsole kann man den Touchscreen im unteren, flacher geneigten, Bereich intuitiv bedienen. Beim Zoomen des Kartenmaßstabs wirkt der Winkel aber meist ungewohnt, für manche auch störend.

Auch mit Porsche-Logo an der Front ist ein großes SUV vor allem ein Reisewagen für mehr als zwei Passagiere. Diesen Auftrag erledigt auch der elektrische Cayenne mit Bravour. Das Raumangebot im Fond ist üppig, zumindest auf den hervorragend ausgeformten Außenplätzen. Nicht von ungefähr spricht die Marke auch von einer „2+1“-Konfiguration in der zweiten Reihe. Der Kofferraum fasst bei steiler Rücksitzlehne bis zu 781 Liter, dazu kommt ein Staufach für Ladekabel und Co. unter der vorderen Haube mit zusätzlichen 90 Litern Volumen.

Der Bordcomputer meldet am Ende des Test-Tages einen Stromverbrauch von 26,8 kWh / 100 km. Die Norm-Reichweite von 630 Kilometern (konfigurationsspezifisch) würde also knapp verfehlt werden. Im dynamisch gefahrenen Alltag nicht weiter schlimm, da man unterwegs nur kurz am Schnelllader parken muss. Der 113 kWh große Akku lässt sich über den CCS-Anschluss im linken hinteren Seitenteil mit bis zu 390 kW Leistung nachladen. Bei einer entsprechend ausgelegten Ladesäule lässt sich der Füllstand des Akkus in 16 Minuten von zehn auf 80 Prozent hieven. Wechselstrom fließt serienmäßig mit 11 kW. Um möglichst vielen Wallbox-Positionen gerecht zu werden, gibt es einen zusätzlichen Typ-2-Ladeanschluss auf der rechten Seite. Gegen Aufpreis baut Porsche auch ein 22-kW-Ladegerät ein. Erstmals ist außerdem eine induktive Ladefunktion (dann mit maximal 11 kW) zu haben, bei der das Auto auf einer entsprechen Platte in der heimischen Garage kabellos mit Strom versorgt werden kann

Das kostet der E-Cayenne

Den Porsche Cayenne Electric gibt es zu Preisen ab 105.200 Euro. Zur Einordung: Damit liegt das neue Modell nur leicht über dem Verbrenner-Modell mit 353 PS, das es für 101.500 Euro gibt und auch weiterhin geben wird.

Die Serienausstattung umfasst die adaptive Luftfederung mit PASM (Porsche Active Suspension Management) und Niveauregulierung, adaptive Matrix-LED-Scheinwerfer, Parkassistenz und eine elektrische Heckklappe. Traditionell bietet der Konfigurator aber eine Vielzahl von Optionen für mehr Optik, erweiterten Komfort und engagierte Sportlichkeit. Der Listenpreis des hier gezeigten Testwagens in „Algarveblau Metallic“ liegt bei 139.123,33 Euro.

Und der Turbo?

Auch der Porsche Cayenne Turbo Electric stand für eine Ausfahrt bereit.

Mehr geht natürlich immer. Ab 165.500 Euro bietet Porsche den Cayenne Turbo Electric an, das aktuelle Topmodell über der Basis mit dem Cayenne S. Der Zweimotoren-Antrieb kommt hier auf 630 kW (857 PS), bei aktivierter Launch Control im Overboost sprengt er dann Layout-Vorlagen im klassischen Autoquartett. Die Leistung steigt kurzfristig auf 850 kW bzw. 1.156 PS. Auch das maximale Drehmoment ist deutlich vierstellig: 1.500 Newtonmeter.

In nur 2,5 Sekunden katapultiert das schwere Elektro-SUV aus dem Stand auf 100 km/h. Der Selbstversuch bei einer kurzen Ausfahrt mit dem Cayenne Turbo Electric lässt diesen Wert auch ohne Stoppuhr glaubhaft erscheinen. Beim Auslosten der Dynamikgrenzen sind neben einem wachen Geist auf jeden Fall leere Straßen empfehlenswert. Allzu lang muss die Gerade nicht sein, Tempo 100 ist erreicht, wenn das Gehirn den Positionswechsel von Fahrzeug in Insassen noch nicht vollumfänglich registriert hat.

Bis 3,5t Anhängelast

Mit Offroad-Paket steigt die Anhängelast des Cayenne Electric.

Auch den Cayenne Turbo Electric gibt es mit einem optionalen Offroad-Paket. Geänderte Stoßfänger erhöhen an beiden Enden der Karosserie die Böschungswinkel, außerdem steigt die Anhängelast. 3,5 Tonnen kann ein, entsprechend konfigurierter, Cayenne an den Haken nehmen, ohne das Paket liegt die Anhängelast bei 3.000 Kilogramm. Üppig fällt mit 120 Kilogramm auch die Sützlast aus. Ein Träger mit drei oder vier E-Bikes ist nicht zu schwer für den Haken am Heck des Porsche-SUV

Fazit

Der Cayenne Electric ist ein typischer Porsche. Das große SUV zirkelt agil durch Kurven, fährt zügig geradeaus und bietet gleichzeitig sehr hohen Komfort. Zumindest beim Basismodell ist der Abstand zu Elektro-SUV anderer Hersteller beim subjektiven Wertigkeitsgefühl aber geringer geworden – wozu auch das etwas zerklüftete Cockpit seinen Teil beiträgt.

Porsche wird beide Cayenne-Baureihen parallel anbieten. Die hohe Ladeleistung konnten wir bei der ersten Ausfahrt noch nicht testen. Wenn das SUV die Versprechnungen der Werksangaben im Alltag einhält, dann ist der geräumige Elektriker gewiss für viele potenzielle Kunden eine gute Alternative zum bekannten Modell. Solvente Eigner können ihren Cayenne dann in der heimischen Garage auf Wunsch auf induktiv laden.

Technische Daten
Porsche Cayenne Electric

Systemleistung: kW / PS
300 kW (408 PS) | Bei Launch Control 325 kW (442 PS), 835 Nm
Batterie
113 kWh (brutto)
Maximale Ladeleistung Gleichstrom (DC)
390 kW
Maximale Ladeleistung Wechselstrom (AC)
11kw / 22 kW
Beschleunigung 0-100 km/h
4,8 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit
230 km/h
Norm-Verbrauch kWh / 100 km
20,1 kWh
Reichweite nach Norm
630 Kilometer (konfigurationsspezifisch)
Realer Verbrauch im Testzeitraum kWh/100 km
24,5 kWh
Kofferraumvolumen
781 – 1.588 Liter + Frunk 90 Liter
Leergewicht
2.525 kg
Anhängelast (gebremst)
3.000 kg
Stützlast
120 kg
Dachlast
100 kg
Länge / Breite / Höhe
4.985 / 1.980 / 1.680 mm
Basispreis Baureihe
105.200 Euro
Testwagenpreis
139.123,33 Euro
Text: Bernd Conrad
Bilder: Hannah Richter, Bernd Conrad