Suzuki Vitara Dauertest (2026)

Suzuki Vitara Dauertest (2026) Fels in der Brandung

7:58 Min.

Der Suzuki Vitara mit Allradantrieb und Automatikgetriebe im 100-Tage-Test.

Die Autowelt dreht sich immer schneller. Zu Modellwechseln und Facelifts kommen mittlerweile regelmäßige Updates bei Soft- und Hardware, die Lebenszyklen eines Produkts verkürzen sich. Bei dieser Hektik erscheint der Suzuki Vitara wie ein Fixstern, ein Fels in der Brandung.

1988 kam erstmals ein kompakter Geländewagen mit dem Namen Vitara auf den Markt, der in Japan als Suzuki Escudo und in den USA als Suzuki Sidekick vermarktet wurde. 2015 wechselte der Vitara sein Wesen, seitdem ist die auch heute noch aktuelle Modellgeneration als kleines SUV mit selbsttragender Karosserie im Programm. 2018 und 2024 gab es optische Überarbeitungen, zwischenzeitlich wurde dem 1,4 Liter großen Vierzylinder-Benziner ein Vollhybrid zur Seite gestellt.

Weniger Leistung - na und?

Wie auch AUTONOTIZEN im Fahrtest des Vitara Hybrid feststellen konnte, war die Verbrauchsersparnis im Vergleich zum zwischenzeitlich mild elektrifizierten Boosterjet 1400er nicht so groß, dass die die Einbußen bei Leistungsentfaltungen und Fahrkomfort wettgemacht hätte. Die Konsequenz: Beim in Ungarn produzierten Vitara konzentriert sich das Angebot jetzt wieder auf den Mildhybrid. Für das Modelljahr 2026 wurde der Motor hinsichtlich der aktuellen Abgasnorm Euro 6e-bis überarbeitet. Das Resultat ist eine leicht geringere Motorleistung. Von einst 140 PS blieben zuletzt 129 PS übrig, der aktuelle Vitara Boosterjet kommt auf eine Leistung von 81 kW / 110 PS.

Der Aufschrei dürfte ausbleiben. Es ist nicht so, dass der typische Vitara-Interessent ein Auto für seinen sportlichen Fahrstil sorgt. Rationale Beweggründe wie ein gutes Platzangebot, das kompakte Format und zuverlässige Technik stehen gewiss auf dem Wunschzettel. Außerdem füllt die japanische Marke mit dem aktuellen Vitara eine Lücke im Markt.

100 Tage im Vitara: Das Video

Der 4,18 Meter lange, 1,78 Meter breite und 1,60 Meter hohe Fünftürer ist in der Kombination von Automatikgetriebe und Allradantrieb zu haben. Damit bietet er Schaltkomfort für den Alltag und neben einem Traktionsvorteil auch Einsatzbereitschaft im Berufsleben u.a. von Förstern, Jägern, Bauherren. Das recht kleine Auto kommt auch dann noch auf allen vieren voran, wenn große SUV und Geländewagen zu breit oder zu lang sind. Die zusätzlich angetriebenen Hinterräder des Vitara sind dabei nicht vom Füllstand des kleinen Akkus oder einem Elektromotor abhängig. Je nach Fahrzustand verteilt das System in der Auto-Stellung die Antriebskraft zwischen den Achsen, dazu sind über die Schaltereinheit in der Mittelkonsole auch ein Winter-Fahrprogramm für rutschigen Untergrund, ein Sportmodus (verzichtbar!) und sogar eine Sperre für die fixe Aufteilung an Vorder- und Hinterachse einstellbar.

Allrad und Automatik

Die Allrad-Programme mit Lock-Funktion lassen sich in der Mittelkonsole einstellen.

Diese Modellvariante des Suzuki Vitara, offiziell mit dem komplizierten Namen „1.4 Boosterjet Hybrid Allgrip AT“ gekennzeichnet, haben wir uns für unseren Langzeit-Test über 100 Tage ausgesucht. In diesem Zeitraum kann man (besser als in den üblichen 14 Tagen mit Testwagen) herausfinden, wie ein Auto in den Alltag passt, wo Stärken und Schwächen liegen.

Das Design des Vitara wurde im Rahmen des letzten Facelifts 2024 sanft überarbeitet. Seitdem trägt das SUV einen neuen Stoßfänger an der Front und einen geänderten Kühlergrill mit horizontalen Lamellen. Das Infotainment-System mit neun Zoll großem Touchscreen erlaubt seitdem die kabellose Integration von Smartphone-Inhalten via Apple CarPlay und Android Auto. Leider fehlt eine dazu passende induktive Ladefunktion. Für sie dürfte im ansonsten unveränderten Cockpit kein Bauraum vorhanden sein. Dafür freut man sich über ein leicht verständliches Bedien-Panel für die Einzonen-Klimaautomatik, einen klassischen Handbremshebel und gut ablesbare, analoge (!) Rundinstrumente.

„Suzuki-Tex“ nennt sich das Polstermaterial auf den Sitzen in der höchsten Ausstattungslinie Comfort+. Die grauen Textilien haben eine Narbung, die an Reifenprofil erinnert und sind haptisch ansprechend. Für mehr Seitenhalt auf den üppig dimensionierten Vordersitzen sorgen sie jedoch nicht. Fahrer und Beifahrer freuen sich über eine großzügige Schulterbreite und große Fußräume auf jeder Seite. In Verbindung mit der gut einsehbaren Motorhaube und steilen Scheiben wähnt man sich in einem deutlich größeren Auto. Für die Passagiere in der zweiten Reihe gilt das nicht. Im Fond ist der Vitara arg knapp geschnitten, auch ohne weit nach hinten gestelltem Vordersitz stoßen die Knie an. Mit einem Grundvolumen von 375 Litern bietet der Kofferraum ein durchschnittliches Volumen. Dafür überzeugen Details bei der Variabilität im Alltag. Der doppelte Ladeboden lässt sich in angehobener Position arretieren. Zudem passt die Gepäckraumabdeckung ins Kellerabteil - ein Vorteil beim spontanen Transport sperriger Dinge.

Über den gesamten Testzeitraum gefällt der, von Suzuki entwickelte und ausgereifte, Vierzylinder-Benziner mit ruhigem Lauf und guten Manieren. Zumindest bei entspannter Fahrweise. Bei hohen Drehzahlen hört man das Arbeitsprinzip des Verbrenner deutlich. Die Sechsstufen-Automatik wechselt die Zahnradpaare gemütlich und ohne Aufsehen. Ebenso unauffällig ist das Mildhybrid-System. Trotz 48-Volt-System ist ein „Segeln“ mit ausgeknipstem Benziner nicht möglich, was die Effizienz nochmals steigern würde. Wer vom Gaspedal geht, spürt den Widerstand der Energie-Rekuperation, zudem gibt es einen kleinen Hinweis darauf im Display zwischen den Instrumenten.

5,9 Liter Benzin je 100 Kilometer soll der Vitara mit Allradantrieb und Automatikgetriebe auf 100 Kilometer verbrauchen, 0,5 Liter mehr als der Fronttriebler mit Handschaltung (der damit nur einen Schluck mehr nimmt als der müde Vollhybrid). Über die 100 Tage des Tests, in den der Vitara über Land und auf der Autobahn mit recht geringem Stadtverkehrs-Anteil bewegt wurde, haben wir einen Durchschnittsverbrauch von 6,3 l/100 km errechnet. Ein guter Wert angesichts des permanenten Allradantriebs. Das System ist leicht variabel. Im Normalfall gelangen 54 Prozent der Antriebskraft an die Vorderräder und 46 Prozent nach hinten. Je nach Fahrzustand gelangen bis zu 50 Prozent nach hinten, außerdem kann man per Tastendruck die feste 50/50-Verteilung auswählen.

Auf rutschigem Untergrund und auch bei Fahrten über Feld- und Waldwege hilft die zusätzliche Traktion des von den Japanern "Allgrip" genannten Allradsystems. Die Bodenfreiheit von 18,5 Zentimetern signalisiert der Geländetauglichkeit des SUV jedoch eine frühe Grenze. Auf der Straße sorgt das Geräuschniveau bei höhrerem Tempo für Verdruss. Ab 100 km/h wird es, aufgrund der Abrollgeräusche aus allen vier Radhäusern und dem an den A-Säulen zerrenden Fahrtwind, arg laut im Vitara. Als Langstrecken-Reiseauto zeichnet er sich also nicht aus.

Das kostet der Vitara

Smartphone-Inhalte lassen sich ohne Kabelverbindung auf dem 9-Zoll-Display anzeigen.

Den Suzuki Vitara gibt es in der Ausstattungslinie Club ab 27.500 Euro. Der Basis-Allradler fährt in der Linie Comfort vor, mit manuellem Getriebe steht er ab 31.350 Euro in Preisliste und Konfigurator. Unser Testwagen als Comfort+ bringt zusätzliche Ausstattung in Form von hochglänzend polierten 17-Zoll-Leichtmetallfelgen, elektrischem Panorama-Glasschiebedach, Einparksensoren auch an der Front, den erwähnten Sitzpolstern, sechs statt vier Lautsprechern für die Audio-Anlage und elektrisch verstellbare Außenspiegel mit Anklappfunktion mit. In Verbindung mit der 2.550 Euro teuren Automatik-Option summiert sich der Listenpreis auf 36.300 Euro. Dazu kommt die Metalliclackierung in „Ice Grayish Blue“ mit schwarzem Kontrast-Dach, womit der Preis auf 37.390 Euro steigt (alle Preise Stand Juni 2026).

Ein Sonderangebot ist der Suzuki Vitara also keineswegs, den Wettbewerbsvorteil mit der Kombination aus Allradantrieb und Automatikgetriebe lässt er sich also bezahlen. Die Neuwagengarantie der Marke läuft über den Zeitraum von drei Jahren ab Erstzulassung bis zu einer Laufleistung von 100.000 Kilometern.

Fazit

Licht und Schatten zeigen sich im 100-Tage-Test des Suzuki Vitara.

Der Suzuki Vitara fährt mit etwas weniger Leistung aufgrund einer Überarbeitung zur Einhaltung der Abgasnorm Euro 6e-bis ins Jahr 2026. Das dürfte Kunden des kleinen SUV nicht stören, vielmehr freuen sich Interessenten über die Möglichkeit, einen physischen Allradantrieb auch mit der Option eines Automatikgetriebes kombinieren zu können. Im 100-Tage-Test beweist sich der in Ungarn gebaute Japaner als zuverlässiger Alltagsbegleiter für Menschen, die keinen Wert auf blikende Details und größtmögliche Displays im Innenraum legen. Die mangelnde Geräuschdämmung ist ein Hinweis auf das hohe Alter der Konstruktion. Vor allem in der hohen Ausstattungslinie Comfort+ mit der Kombination aus Allradantrieb und Automatikgetriiebe ist der Suzuki Vitara, gemessen am Listenpreis, alles andere als ein günstiges Angebot.

Technische Daten
Suzuki Vitara 1.4 Boosterjet Hybrid Allgrip AT

Antriebsart
48V Mildhybrid-Benziner
Antrieb
Allradantrieb
Abgasnorm
Euro 6e bis
Hubraum
1.373 ccm
Anzahl und Bauform Zylinder
4 in Reihe
Maximale Leistung kW / PS
81 kW / 110 PS bei 4.400 U/min
Max. Drehmoment
235 Nm bei 2.000 - 2.500 U/min
Getriebe
Sechsstufen-Automatikgetriebe
Tankinhalt
47 Liter
Höchstgeschwindigkeit
180 km/h
Norm-Verbrauch auf 100km
5,9 Liter
Verbrauch real auf 100km
6,3 Liter
Kofferraumvolumen
375 - 1.120 Liter
Reifenmarke und –format des Testwagens
215/55 R17
Leergewicht
1.350 kg
Anhängelast (gebremst)
1.200 kg
Stützlast
75 kg
Länge / Breite / Höhe
4.185 / 1.775 / 1.595 mm
Basispreis Baureihe
27.750 Euro
Basispreis Modellvariante
36.300 Euro
Testwagenpreis
37.390 Euro
Text: Bernd Conrad
Bilder: Matthias Gill, Bernd Conrad