Die Renault Group weitet ihre Zusammenarbeit mit dem chinesischen Geely-Konzern aus.
Europäische Automobilhersteller stehen im globalen Wettbewerb unter Druck. Chinesische Konzerne drängen, auch um dem Absatzrückgang auf dem Heimatmarkt auszuweichen, mit aller Kraft in den Export. Stark rabattierte Preise sollen die Verkaufszahlen nach oben treiben, was vor allem auf dem deutschen Markt bei der Marke BYD deutlich zu sehen ist. Gleichzeitig wollen die Chinesen mit Produktionen und Partnerschaften vor Ort Zollbarrieren umgehen. Hier haben wir aufgeschrieben, wie sich das aktuell in Europa abzeichnet.
Mit wem kooperiert Renault?
Auch auf globaler Ebene sind Kooperationen ein Weg, um dem steigenden Wettbewerbsdruck zu begegnen. Die Renault Group ist traditionell offen für gemeinsame Projekte und Allianzen, wie der (mittlerweile weitestgehend aufgelöste und auf Projektbasis verlagerte) Verbund mit Nissan und Mitsubishi gezeigt hat. Seit einigen Jahren arbeiten die Franzosen eng mit dem chinesischen Geely-Konzern zusammen.
In China wurde mit Hilfe der Partner vor Ort ein Design- und Entwicklungszentrum mit dem Namen ACDC (Advanced China Design Center) gegründet, wo der Kleinwagen Renault Twingo in nur zwei Jahren entwickelt wurde. Hier im Video gibt es Einsichten in diese Strategie. Zudem ist Geely bei Renault in Südkorea eingestiegen, im dortigen Werk läuft auch der Polestar 4 vom Band.
Mitte September 2026: Renault hat eine Gruppe von Journalisten aus aller Welt in der brasilianischen Stadt Curitiba versammelt. Hier, rund eine Flugstunde von Sao Paolo entfernt, werden seit 1998 Autos mit dem Rhombus als Markenlogo produziert. Zur aktuellen Modellpalette gehört auch der Renault Boreal, den wir hier im Fahrbericht mit Video behandeln.
Was planen Geely und Renault in Brasilien?
Ende 2025 ist Geely mit einem Anteil von 26,4 Prozent bei der brasilianischen Renault-Niederlassung eingestiegen, der Name des Unternehmens lautet jetzt „Renault Geely do Brasil“. Um Einfuhrzölle von bis zu 35 Prozent zu umgehen, werden Modelle der chinesischen Marke im, nach Rennfahrer-Legende Aryton Senna benannten, Renault-Werk produziert. Die Presse-Veranstaltung gibt den Befehl zum „Start of Production“ für den Geely EX5 EM-I. Dieser Plug-in Hybrid ist bei uns als Geely Starray EM-I bekannt. In einigen Monaten soll auch der Elektro-Kleinwagen Geely EX2 (bei uns E2) in Curitiba vom Band rollen. Außerdem wurde ein neues Renault-Modell für den lateinamerikanischen Markt mit elektrifiziertem Antrieb angekündigt, das auf der GEA-Plattform von Geely aufbauen soll.
Der Zusammenschluss soll Geely auch beim Vertrieb helfen. Die Modelle der Chinesen stehen bei den Renault-Händlern im Showroom, auch Service und Reparaturen werden von den bestehenden Autohäusern erledigt. Die Mission ist klar definiert. Wie BYD und GWM (Great Wall Motor), deren Modelle auf den Straßen oft zu sehen sind, will auch Geely schnell eine signifikante Marktposition erreichen. Der brasilianische Markt ist im Aufwind. Nach Jahren mit sinkenden Verkäufen erwarten Experten vor Ort für das Jahr 2026 bis zu 2,9 Millionen Neuzulassungen mit weiterem Potenzial für Wachstum. Rund 213 Menschen leben in Brasilien.
Will Geely Renault übernehmen?
Das Management der Renault Group um CEO Francois Provost macht klar: „Renault bleibt unabhängig!“ Einem Einstieg dürfte auch der französische Staat als Renault-Anteilseigner im Weg stehen. In Europa stellt der Konzern seine Technologie und seine Expertise weiterhin auch anderen Herstellern zur Verfügung. Aktuell werden Captur, Symbioz und Scenic mit anderem Logo und leichten Design-Retuschen auch als Mitsubishi ASX, Grandis und Eclipse Cross verkauft. Der Nissan Micra basiert auf dem Renault 5, der kommende Pixo nutzt den Twingo als Grundlage. Die Kooperations-Modelle werden auch von Renault gebaut, was die Auslastung der Fabriken in Frankreich, Slowenien und Spanien sicherstellt. Eine Kooperation mit Ford sieht zwei kompakte Elektroautos auf Renault-Basis vor (wohl ein neuer Fiesta als Derivat des R5 und ein kommender Puma als Bruder des R4), zudem eine Zusammenarbeit im Bereich der leichten Nutzfahrzeuge.
Außerhalb Europas ist Renault aber betont offen für die Zusammenarbeit mit anderen Konzernen. Einfluss auf Europa hat diese Strategie dennoch, wie die oben genannte Entwicklung des Renault Twingo (mit Dacia Spring und Nissan Pixo) in China zeigt. Wer weiß – vielleicht ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch bei uns in Europa neue Renault-Modelle auf den Markt kommen, die sich Teile der Technik mit Geely-Fahrzeugen teilen. Wir bleiben am Ball und werden berichten...
Fazit
Renault nutzt sein globales Netzwerk auch für Kooperationen mit anderen Autoherstellern. In Europa arbeiten die Franzosen mit Ford, Mitsubishi und Nissan zusammen. In China unterhält Renault ein Entwicklungszentrum in Zusammenarbeit mit Geely. Der chinesische Konzern ist zudem in Südkorea und jetzt auch in Brasilien Partner in Gemeinschaftsunternehmen. Mitte September startete im brasilianischen Renault-Werk Curitiba die Produktion eines Geely-SUV.
Im Video: Renault mit Geely in Brasilien (ab 10:55)