Die Marke Ford soll mit neuen Modellen in Europa wieder durchstarten.
Die Marke Ford wurde, aus Sicht von Kunden und Händlern, in den letzten Jahren regelrecht demontiert. Erfolgreiche Modellreihen wie der Kleinwagen Fiesta und zuletzt der kompakte Focus liefen ohne Nachfolger aus, vorher schon wurden der Mondeo in der Mittelklasse und das Van-Duo S-Max / Galaxy aus dem Programm genommen.
Das Crossover-Modell Puma, auch mit Elektroantrieb zu haben, und der Tiguan-Konkurrenz Kuga sind die einzigen „echten“ Ford-Modelle im aktuellen Europa-Programm der Pkw-Abteilung. Dazu kommen Explorer und Capri auf Basis der MEB-Architektur von Volkswagen, die Ford in Lizenz nutzt. Das Stammwerk in Köln wurde für die beiden Elektro-SUV aufwendig umgebaut. Aus den US kommen die Import-Modelle in Form von Mustang V8, dem elektrischen Mustang Mach-E und dem Geländewagen Bronco.
Marktführer bei Nutzfahrzeugen
Weniger trüb sieht die Situation für die Marke Ford im Segment der leichten Nutzfahrzeuge aus. Der Pick-up Ranger ist ein Bestseller, leicht abgewandelt wird er auch an Kooperationspartner Volkswagen geliefert und dort als Amarok verkauft. Neu im Ranger-Programm ist eine Super-Duty-Version mit höherer Nutzlast. Der Ford Transit / Tourneo Custom wird in der Türkei auch als VW Transporter / Caravelle gebaut. Im Gegenzug liefert VW den Caddy an Ford, hier heißt der Transit bzw. Tourneo Connect. Darunter positioniert sich der kleinere Transit / Tourneo Courier, der eine Ford-Eigenentwicklung ist und sich die technische Basis mit dem Puma teilt. Das klingt kompliziert? Einen haben wir noch! Neu ins Programm kommt der Ford Transit City. Dieser Elektro-Transporter, den es als Kastenwagen und Fahrgestell für Aufbauten geben wird, kommt aus China. Jiangling Motors mit Sitz in Nanchang, an denen Ford mit 32 Prozent beteiligt ist, produziert den Elektro-Transporter. Mit einem 56 kWh großen LFP-Akku (Lithium-Eisenphosphat), der einen 110 kW (150 PS) starken Motor bestromt, soll der Ford Transit City, je nach Aufbau, bis zu 254 Kilometer weit kommen. Die Baureihe wird also klar als lokal emissionsfreies Nutzfahrzeug für den urbanen Lieferverkehr positioniert, zusätzlich zu den Elektro-Versionen von Transit Custom und dem größeren Transit.
Endlich neue Modelle
Im Rahmen einer Händler-Veranstaltung hat Ford of Europe endlich auch ein klares Bekenntnis zur Zukunft des Pkw-Geschäfts abgegeben. Bis zum Jahr 2029 sollen fünf neue Modelle eingeführt werden.
Zwei davon entstehen in Zusammenarbeit mit Renault, wo sie auch gebaut werden. Eine solche Kooperation ist für die Franzosen kein Neuland. Der Konzern produziert für Mitsubishi die Modelle ASX, Grandis und Eclipse Cross auf Basis von Renault-Modellen, außerdem läuft der Nissan Micra vom gleichen Band wie der weitestgehend baugleiche Renault 5.
Er wird die Basis für einen neuen Elektro-Kleinwagen von Ford stellen. Der Name des Modells wird noch nicht verraten. Alles andere als „Fiesta“ wäre aber töricht! Im Gegensatz zum Micra soll sich der neue kleine Ford optisch deutlicher vom Genspender Renault 5 unterscheiden. Ein zweites Elektroauto aus der Frankreich-Connection dürfte die gleiche Plattform nutzen und dem Renault 4 entsprechen, mutmaßlich also als Nachfolger des angejahrten Puma. Das künftige Topmodell, im Teaser-Bild links zu sehen, soll ein „europäisches Mitglied der Bronco-Familie“ werden. Hierbei dürfte e sich um den Nachfolger des Ford Kuga handeln, der ab 2028 im spanischen Valencia als „Multi-Energy-Fahrzeug“ gebaut wird. Es dürfte ihn also als Hybrid und mit Elektroantrieb geben. Das Design folgt dem Trend, der bei SUV aktuell in China und anderen Märkten zu beobachten ist. Neue Modelle werden kantiger und treten rustikaler auf, sie erinnern stärker an klassische Geländewagen.
Bis Ende 2029 kommt außerdem zwei weitere „Multi-Energy-Crossover“ neu ins Ford-Programm, sie zeigen sich auf dem ersten Foto der neuen Modellfamilie mittig (2. Und 3. Auto von links). Ob Ford bei diesen mutmaßlichen Nachfolgern für Explorer und Capri wieder mit Volkswagen kooperiert und ob beide wieder in Köln produziert werden, ist aktuell noch nicht bekannt.
Fazit
Ford hat sein Pkw-Geschäft in Europa noch nicht aufgegeben. Fünf neue Modelle sollen bis Ende 2029 vorgestellt werden, zwei davon entstehen als reine Elektroautos in Zusammenarbeit mit Renault. Darüber positioniert die Marke zwei Crossover und ein SUV im Bronco-Stil, die als Hybride und mit Elektroantrieb kommen. Das unverändert stark laufende Geschäft mit leichten Nutzfahrzeugen soll durch den neuen Transit City, der vom Partner Jiangling Motors in China gebaut wird, angeschoben werden.
Im Video: Ford Tourneo Custom