Der Hyundai Ioniq 3 im ersten Check mit Sitzprobe, auch als Video.
Hyundai hätte dem Zeitgeist folgen können und ein weiteres, kompaktes SUV zum Schluss der Lücke zwischen dem Elektro-Kleinstwagen Inster und dem Kona auf die Räder stellen können. Stattdessen gehen die Koreaner einen anderen Weg. Der neue Hyundai Ioniq 3 ist ein Schrägheckmodell, das im Format zwischen der Kleinwagenklasse und Kompakten parkt. Das Design folgt in seinen Grundzügen der Studie Concept Three, die 2025 im Rahmen der Messe IAA Mobility ihre Premiere feierte.
Alles, nur kein SUV
Der Ioniq 3 ist 4,16 Meter lang, 1,80 Meter breit und 1,52 Meter hoch. Die flache Front mit geteilten Elementen für Tagfahrlicht und LED-Hauptscheinwerfer ordnet ihn als kleinen Buder der Stromlinien-Limousine Ioniq 6 ein. Beim Aufbau geht der neue Kleine einen eigenen Weg. Die Fensterlinie läuft in einer Spitze an der C-Säule zusammen, betont damit den abfallenden Dachverlauf. Zwei ausgeprägte Bügelfalten im hinteren Seitenteil unterstreichen die dynamische Optik zusätzlich. Ein großer Spoiler teilt die Heckscheibe zwischen der schrägen oberen Glasfläche und dem steilen Unterteil über einem Band mit Pixel-LED-Leuchten. Fans der Marke dürften im Hyundai Ioniq 3 optisch den legitimen Nachfolger des verblichenen Veloster sehen, das Design erinnert entfernt auch an den kleinen Honda CRX aus den späten 1980er-Jahren.
Passend zum Design präsentiert sich der Hyundai Ioniq 3 bei unserem ersten Kennenlernen in der Ausstattungslinie N-Line. Sie bringt eine schwarze Front-Maske mit Luftöffnungen, einen größeren Heckspoiler und einen Diffusor im hinteren Stoßfänger mit, steht dabei auf dunklen 19-Zoll-Leichtmetallfelgen.
Der Stauraum ist zweigeteilt. Zusätzlich zum 332 Liter großen Standard-Kofferraum im Heck stehen, unter dem doppelten Ladeboden, in der sogenannten „Megabox“ weitere 119 Liter bereit. Hier verschwindet auch ein mittelgroßer Koffer. Ein Staufach unter der vorderen Haube (Frunk, Front Trunk) gibt es nicht.
Die Sitzprobe
Kompromisse erfordern Form und Format des Autos beim Innenraum, zumindest für große Menschen. Im Fond muss man, aufgrund des Akkus im Fahrzeugboden, die Beine recht stark anwinkeln. Trotzdem wird es auch über dem Kopf schnell knapp. Der Radstand von 2,65 Metern ermöglicht eine ausreichende Kniefreiheit. Mit Ablagenetzen an den Rückseiten der Vordersitzlehnen, zwei USB-C-Steckplätzen und Lüftungsdüsen für die zweite Reihe bietet der Ioniq 3 eine gute Komfortausstattung für die Passagiere, bis hin zu Haltegriffen im Dach.
Vorne gefallen die üppig dimensionierten Sitze. Aber auch in der ersten Reise sitzt man recht nah am Boden, zudem könnte der kurze Fußraum auf langen Strecken für Ermüdungserscheinungen sorgen. Ein erster Fahrbericht mit Test des Ioniq 3 steht aber noch aus, erst dann wissen wir mehr. Je nach Ausstattung gibt es nicht nur Sitzheizung vorne und hinten, sondern auch die Möglichkeit zur Sitzlüftung für Fahrer und Beifahrer.
Der Ioniq 3 im Video
Einen neuen Weg geht Hyundai bei der Gestaltung des Cockpits. Die fahrrelevanten Informationen werden auf einem kleinen Display direkt am unteren Rand der Windschutzscheibe angezeigt, man blickt über den abgeflachten Lenkradkranz. Die Ambiente-Lichtleiste im Cockpit passt, wenn die entsprechende Farbe eingestellt ist, gut zu den roten Kontrastnähten der dunklen Ausstattung mit Mikrofaser-Material im Ioniq 3 N-Line.
Im Dreispeichenlenkrad gibt es physische Knöpfe unter gemeinsamen Abdeckungen. Außerdem wird die Bedienung im Auto mit Drehreglern, u.a. für die Audio-Lautstärke, und Kippschaltern für Klimafunktionen erleichtert – zusätzlich zum großen Touchscreen auf der Mittelkonsole. Die Menüführung des Infotainment-Systems können wir bei unserer ersten Sitzprobe noch nicht kennenlernen, da die Software im Vorserien-Exemplar in einem statischen Demo-Modus läuft. Zu erkennen ist aber bereits eine feststehende Leiste am unteren Rand mit Icons zum Ansteuern von wichtigen Menüpunkten und Klima-Einstellungen.
Bei der Fahrassistenz wird der Hyundai Ioniq 3 die aktuell im Konzern-Regal verfügbaren Technologien für kompakte Fahrzeuge voll auskosten. Der Autobahn-Assistent unterstützt auch beim Spurwechsel, solange die Hände am Lenkrad bleiben. Live-Bilder aus dem Totwinkel-Bereich übertragen Kameras auf das zentrale Display. Außerdem kann man das Auto per App-Fernbedienung am Smartphone ein- und ausparken lassen.
Technik, Akku und Reichweite
Die technische Basis stellt die E-GMP-Architektur für Autos mit Frontantrieb, der Ioniq 3 ist eng mit dem Kia EV2 verwandt. Das wird auch beim Studium der technischen Daten offensichtlich. 42,2 kWh Speicherkapazität bietet der LFP-Akku (Lithium-Eisenphosphat) im Basismodell, die geplante Norm-Reichweite liegt bei 335 Kilometern. Der vorne montierte Motor leistet 108 kW (147 PS) und bringt es auf ein Drehmoment von 250 Newtonmetern. In 9,0 Sekunden beschleunigt der knapp unter 1,6 Tonnen schwere Klein-Kompakte aus dem Stand auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 165 km/h.
Außerdem steht eine Variante mit 61 kWh großem NMC-Akku (Nickel-Mangan-Kobalt) für 490 Kilometer Reichweite zur Wahl. Hier kommt der Elektromotor auf eine Leistung von 100 kW (136 PS) bei identischem Drehmoment. Nullhundert sind in 9,6 Sekunden erledigt (mehr Gewicht, weniger Leistung) die Höchstgeschwindigkeit beträgt auch hier 165 km/h.
Die Frontantriebs-Plattform nutzt ein 400V-Bordnetz. Eine maximale Ladeleistung über CCS gibt Hyundai nicht an, sie dürfte im Peak, wie beim Kai EV2, bei 118 kW liegen. Für den Hub des Akku-Füllstands von zehn auf 80 Prozent sollen 29 bis 30 Minuten vergehen. Interessant für Ladevorgänge im urbanen Umfeld: Optional kann man den 11-kW-Lader durch ein Gerät mit 22 kW Leistung ersetzen lassen, dann dürfte der Akku des Basismodells an einer öffentlichen Säule (oder einer entsprechenden Wallbox) in rund 2,5 Stunden vollgeladen sein.
Marktstart und Preise
Wohl im Spätsommer wird der Hyundai Ioniq 3 zu den Händlern kommen. Die Preise sind noch nicht bekannt. Aktuell (Stand April 2026) startet der kleinere Hyundai Inster mit 42 kWh großem Akku bei 24.400 Euro, der Kona Elektro hat mit 49 kWh einen Listenpreis ab 38.340 Euro. Der neue Ioniq 3 dürfte in der Basis bei deutlich unter 30.000 Euro starten, wir vermuten einen Einstieg bei rund 27.500 Euro.
Fazit
Hyundai bringt mit dem kompakten Ioniq 3 ein Elektroauto, das Individualität vor Pragmatismus stellt. Das Design dürfte polarisieren. Auch, weil die Form der Karosserie nicht auf die bestmögliche Raumausnutzung im Innenraum ausgelegt wurde. Trotz des völlig anderen optischen Auftritts nutzt der Ioniq 3 die Technik des kastenförmigen Konzern-Bruders Kia EV2. Die Speicherkapazität der Akkus liegt bei 42,2 bzw. 61 kWh für eine geplante Reichweite von bis zu 490 Kilometern. Preise wurden noch nicht kommuniziert, sie dürften bei deutlich unter 30.000 Euro starten.