Der neue Mazda CX-6 im ersten Check mit Sitzprobe, auch als Video-Review.
Mazda präsentiert mit dem CX-6e ein neues Elektro-SUV der Mittelklasse. Im Sommer 2026 kommt der technische Bruder der Limousine Mazda6e auf den Markt. Wir haben schon jetzt alle Informationen, auch zum ersten Check mit Sitzprobe
Warum kommt dieser Mazda aus China?
Die beiden aktuellen Elektroautos der Marke Mazda, der 6e und der neue CX-6e, sind in einem Gemeinschaftsunternehmen mit dem chinesischen Partner Changan Auto entwickelt worden, dort laufen Limousine und SUV auch vom Band. Die Changan-Marke Deepal nutzt die Technik-Architektur auch für eigene Modelle. Bei Mazda-Händlern in China werden die E-Autos als EZ-6 (Limousine) bzw. EZ-60 (SUV verkauft). Zu uns kommen speziell für Europa abgestimmte Varianten. Der Einfluss des europäischen Design- und Entwicklungszentrums von Mazda, das im hessischen Oberursel sitzt, soll beim CX-6e nochmals deutlich größer gewesen sein als beim 6e.
Der Mazda CX-6e im Video
Als erster reiner Elektro-Mazda wurde vor einigen Jahren der MX-30 eingeführt, der auf einer umgebauten Plattform des Verbrenners CX-30 basierte. Alternativ zum reinen E-Modell gab es den Mazda MX-30 zuletzt auch mit der Zusatzbezeichnung R-EV als seriellen Plug-in Hybrid, bei dem ein Kreiskolbenmotor als Energielieferant an Bord war – hierbei wird auch von einem Range Extender gesprochen.
Aktuell arbeiten die Japaner an einer neuen Architektur für Elektroautos „made in Japan“. In der Übergangszeit setzt man auf das Joint Venture mit Changan, um die in China gebauten Baureihen auch global zu verkaufen.
Wie groß ist der Mazda CX-6e?
Das Design des neuen SUV zeigt eine deutliche Weiterentwicklung der Kodo-Formensprache von Mazda. Es bleibt bei einer steil stehenden Front mit „Signature Wing“. Anstelle einer Chromleiste wird dabei mit LED gearbeitet, die während eines Ladevorgangs pulsieren. An den Rändern dieser Leiste ist das Tagfahrlicht untergebracht, die Hauptscheinwerfer sitzen weiter unten im Stoßfänger.
Ein schmaler Lufteinlass an der Front leitet den Fahrwind über die vordere Haube. Auch die schräge C-Säule ist Teil des Aerodynamik-Konzepts. Sie leitet Luft um das Heck herum, das ohne Abrisskante unter der Scheibe klare Formen zeigt. Die Karosserie ist im Profil leicht eingezogen, was für einen athletischen Auftritt sorgt. Ein interessantes Stilmittel sind die Mazda-Schriftzüge auf den Seitenschwellern.
Der Mazda CX-6e ist 4,85 Meter lang, 1,94 Meter breit und 1,62 Meter hoch. Damit überragt er die Limousine 6e vom Boden bis zum Dach um 13 Zentimeter, außerdem ist das SUV fünf Zentimeter breiter und sieben Zentimeter kürzer. Identisch bleibt der Radstand von 2,90 Metern.
Kofferraum und Anhängelast
Die elektrische Heckklappe öffnet per Tastendruck im Fuß des Scheibenwischers. Dahinter wartet ein 468 Liter großer Kofferraum auf Gepäck. Nach dem Vorklappen der im Verhältnis 60:40 geteilten Rücksitzlehne entsteht ein maximal 1.434 Liter großer Laderaum mit leicht ansteigendem Boden. Weitere 80 Liter bietet der „Frunk“ (Front Trunk, vorderes Staufach). Er beherbergt eine herausnehmbare Kiste, mit der man Einkäufe und andere Dinge leicht ein- und ausladen kann. Außerdem findet hier ein Ladekabel Platz.
Die Anhängelast des Mazda CX-6e beträgt 1.500 Kilogramm. Informationen zur Stütz- und zur Dachlast liegen noch nicht vor. Von den 2,2 Tonnen Leergewicht entfallen 550 Kilogramm auf die Hochvoltbatterie. Als Zuladung gibt der Hersteller den Wert von 465 Kilogramm an.
Akku, Laden und Antrieb
Im Fahrzeugboden des Mazda CX-6e steckt ein LFP-Akku (Lithium-Eisenphosphat) mit 78 kWh Brutto-Speicherkapazität. Eine zweite Batterie-Version, wie sie für den 6e angeboten wird, ist nicht im Programm.
Über den Anschluss hinten rechts kann man Wechselstrom, beispielsweise an der heimischen Wallbox oder einer öffentlichen Säule, dreiphasig mit 11 kW laden. Für eine vollständige Ladung sollen achteinhalb Stunden vergehen. Schneller geht es unterwegs über den CCS-Anschluss. Die maximale Ladeleistung liegt bei 195 kW. Für den Hub von zehn auf 80 Prozent der maximalen Akku-Kapazität sollen im Idealfall 26 Minuten vergehen.
An der Hinterachse steckt ein Elektromotor mit 190 kW (258 PS) und 290 Newtonmetern Drehmoment. Seine Dauerleistung, die für mindestens 30 Minuten anliegt, wird mit 100 kW (136 PS) angegeben. Allradantrieb ist nicht geplant. In 7,9 Sekunden soll der Mazda CX-6e aus dem Stand auf 100 km/h beschleunigen, die Höchstgeschwindigkeit wird bei 175 km/h begrenzt.
18,9 kWh Strom je 100 Kilometer soll das SUV nach WLTP-Messnorm verbrauchen. In Verbindung mit den 19-Zoll-Rädern des Basismodells lässt sich damit eine Reichweite von 484 Kilometern realisieren, im reinen Stadtverkehr sollen bis zu 610 Kilometer möglich sein. 21-Zoll-Felgen mit größeren Reifen, die für den Mazda CX-6e Takumi optional angeboten werden, verkleinern die Reichweite auf 463 Kilometer im kombinierten Zyklus bzw. auf 607 Kilometer innerstädtisch. Die höhere Ausstattungslinie Takumi Plus kommt mit 21-Zöllern und digitalen Außenspiegeln, die den Luftwiderstand reduzieren, bis zu 468 Kilometer (kombiniert) weit.
Die Sitzprobe
Für die erste Sitzprobe steht der Mazda CX-6e als Takumi Plus in der neuen Farbe „Nightfall Violet“ bereit. Sie harmoniert gut mit der hier stets zweifarben Innenausstattung, die Kunstleder und Textilien in hellem Beige mit Violett mischt. Die Materialzusammenstellung gefällt nicht nur optisch, sondern auch beim Erkunden der Haptik mit den Fingerkuppen.
Positiv hervorzuheben ist auch das Platzangebot im Elektro-SUV. Selbst große Menschen müssen im Fond die Beine nicht zu stark anwinkeln – ein deutlicher Vorteil des CX-6e gegenüber der Limousine 6e. Der Knieraum ist üppig und trotz der flachen Heckscheibe bleibt auch mehr als genug Luft über dem Scheitel. In der Mittelkonsole kann man das Verdunkelungsrollo für das Panorama-Glasdach und die Sitzklimatisierung für die äußeren Fond-Plätze (Serie beim Takumi Plus) mit einem kleinen Touchscreen-Display steuern, ebenso die Verstellung des Beifahrersitzes von der zweiten Reihe aus.
Fahrer und Beifahrer freuen sich über üppig dimensionierte Sitze mit elektrischer Verstellmöglichkeit. Unter der Armauflage in der Mittelkonsole nimmt ein großes Ablagefach Alltagsdinge auf, die Becherhalter sind unter einer dezenten Abdeckung versteckt.
Cockpit und Bedienstruktur
Auch dieser neue Mazda verzichtet auf ein klassisches Bedienkonzept mit Tasten und Dreh-Drück-Steller. Zentrales Element für Anzeigen und Interaktion im Armaturenbrett ist ein riesiges 26-Zoll-Display mit 5K-Auflösung, das sich von der Mittelkonsole bis in die Sichtachse des Beifahrers zieht Hier werden alle Entertainmentfunktionen, die Konfiguration der Fahrassistenz und die Klimaautomatik per Touchscreen gesteuert. Außerdem soll eine Gestik-Steuerung mit sieben klar definierten Handbewegungen (z.B. Faust für Navigation) das direkte Ansteuern von Menüpunkten vereinfachen.
Zum Zeitpunkt unseres ersten Kennenlernens mit dem Mazda CX-6e, etwa sieben Monate vor dem Marktstart, ist noch keine serienmäßige Europa-Software im Auto installiert. Daher müssen wir uns auf eine Beurteilung der hochauflösenden Grafiken im Demos-Modus beschränken. Alle fahrrelevanten Informationen zeigt das serienmäßige Head-up-Display in der Windschutzscheibe an. Es ersetzt einen Bildschirm hinter dem Lenkrad. Die Multifunktions-Tasten für Fahrassistenz und Audiofunktionen haben klare haptische Druckpunkte unter einer gemeinsamen Fläche mit den jeweiligen Symbolen. Das Ambientelicht lässt eine Konfiguration aus 256 unterschiedlichen Farben zu. In der Version Takumi Plus wird damit auch ein transparente Dekorleiste im Armaturenbrett illuminiert. Das Soundsystem kommt mit 23 Lautsprechern, auch in den Kopfstützen der Vordersitze. Diese beiden Boxen haben eine Bluetooth-Funktion. Damit erscheint es möglich, dass man hier Smartphones direkt mit dem jeweiligen Sitz verbinden oder diesem zuordnen kann. Telefongespräche werden dann punktuell in die Kopfstütze des Fahrers oder des Beifahrers sortiert.
Neben drei unterschiedlichen Fahrmodi kann man auch Programme für den Auto-Alltag einstellen. Der „Relax Mode“ lädt zum Entspannten während eines Ladestopps ein. Eher für den asiatischen Markt, in dem das Auto oft zum dritten Raum neben Arbeitsplatz und Zuhause wird, ist der „Rest Mode“ gedacht. Außerdem wird es einen „Pet Comfort Mode“ geben und ein Programm, das vor der Einfahrt in eine Waschanlage automatisch alle Fenster schließt und die Außenspiegel anklappt.
In den Türverkleidungen sind die Displays zur Anzeige der Außenspiegel-Kameras untergebracht. Ein abschließendes Urteil dazu kann man sich erst nach einer Probefahrt erlauben. In anderen Autos hat sich diese Position aber als nicht ideal erwiesen, da man relativ weit nach unten schauen und das Auge beim Wechsel vom Blick durch die Windschutzscheibe auf einen Bildschirm zudem den Fokus umstellen muss.
Die Serienausstattung
Der Mazda CX-6e Takumi kommt mit einer einfarbigen Kunstlederausstattung, die wahlweise in Beige oder Schwarz bestellt werden kann. Das Head-up-Display, der große Touchscreen, das feststehende Panorama-Glasdach mit elektrischem Sonnenschutzrollo und 19-Zoll-Leichtmetallfelgen gehören hier zur Serienausstattung.
Der CX-6e Takumi Plus rollt ab Werk auf 21-Zoll-Rädern und hat neben den Kamera-Außenspiegeln mit Displays in der Türverkleidung auch einen digitalen Innenspiegel. Außerdem wird seine Ausstattung um die erwähnte Ambientelicht-Leiste, Sitzheizung und -lüftung auch im Fond und die zweifarbige Innenausstattung erweitert.
Was kostet der Mazda CX-6e?
Das zweite Elektroauto im aktuellen Mazda-Programm ist über der Limousine 6e positioniert und wird auch mehr kosten. Das Fließheck-Modell startet aktuell mit dem identischen 190-kW-Antrieb, aber 69 kWh großem LFP-Akku, bei 44.900 Euro.
Der Mazda CX-6e wird in der Takumi-Ausstattung zum Marktstart Mitte 2026 ab 49.990 Euro kosten. Damit wird der chinesische Japaner nicht günstig, will dabei aber mit einer umfangreichen Serienausstattung punkten. Die Technik ist bei beiden Varianten identisch. Der Aufpreis für das Upgrade von der Takumi-Ausstattung zum Takumi Plus dürfte bei etwa 3.000 Euro liegen. Für beide Varianten gilt: Vor allem die Kalkulation günstiger Leasingraten dürfte für einen Markterfolg im Elektro-SUV-Segment den Ausschlag geben.
Fazit
Das emotionale und eigenständige Design des Mazda CX-6e stellt einen skulpturalen Gegenentwurf zum aktuellen Elektro-SUV-Allerlei dar. Mit der tiefen Front und einer optischen Betonung breiter hinterer Radkästen wirkt der Neuling sehr dynamisch. Ob die Antriebstechnik mit dem 190 kW starken Heckantrieb dieses Versprechen auch beim Fahren umsetzen kann, wird erst ein späterer Test zeigen. Auch die Bedienstruktur mit dem großen Display im Cockpit konnte noch nicht ausprobiert werden.
Trotz der umfangreichen Serienausstattung wird der Mazda CX-6e auch auf dem Preisschild, das mindestens 49.990 Euro ausweist, selbstbewusst auftreten. Es wird spannend, wie sich der Asiate im eng umkämpften Segment der Mittelklasse-Elektro-SUV durchsetzen wird.