Xpeng expandiert in Europa

Xpeng expandiert in Europa Aufladen und durchstarten

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Die chinesische Marke Xpeng hat viel vor. Noch 2026 soll ein kleineres SUV für 35.000 Euro starten.

„Wir versprechen nichts, was wir nicht halten können“, erklärt Markus Schrick, Geschäftsführer von Xpeng für die Märkte Deutschland, Österreich, Schweiz und Osteuropa, in einem Gespräch. Dabei spielt er auf die Strategie des chinesischen Autoherstellers im Umgang mit Händlern und Kunden an, die stellvertretend für den Charakter des Unternehmens steht. He Xiaopeng gründete die Firma im Jahr 2014, kürzlich wurde die Produktion des millionsten Xpeng gefeiert. Für Aufmerksamkeit sorgte nicht zuletzt das Investment von Volkswagen in Xpeng. Für 700 Millionen Euro stiegen die Wolfsburger 4,99% der Anteile und sicherten sich Zugang zur Software- und Hardware-Entwicklung von Xpeng für VW-Elektroautos in China.

Vertrauen in die Marke

Im Gegensatz zu anderen chinesischen Konzernen ist Xpeng auch weiterhin ein kleiner Marktteilnehmer. Das gilt auch für Deutschland. 2.991 Neuzulassungen der Marke verzeichnete das KBA (Kraftfahrt-Bundesamt) für das Jahr 2025. Den Großteil davon machten die beiden SUV-Modellreihen Ga (1.664 Einheiten) und G9 (1.172 Exemplare) unter sich auf, dazu kamen 155 Limousinen P7.

Beim Vertrieb und für den Service setzt Xpeng auf die Kooperation mit etablierten Autohäusern. Hier ist, den Aussagen des Managers zufolge, Fair Play angesagt. Die Xpeng-Händler sollen Freude am Verkauf der Autos haben, im Durchschnitt soll die Marge dabei 0,5 bis 1,0 Prozent über der von anderen Marken liegen. Ein Blick auf die Websites großer Leasing-Portale zeigt: Auch bei den monatlichen Raten liegen die Xpeng-SUV auf einem vertretbaren Niveau im Vergleich mit der europäischen Konkurrenz. Das Finanzinstitut Santander kümmert sich im Xpeng-Auftrag um Finanzierung und Leasing.

Mit der Übergabe des Autos an Kunden soll die Beziehungspflege nicht vorbei sein. Ein Schwachpunkt vieler chinesischer Anbieter ist die Versorgung mit Ersatzteilen. Damit kommen wir zur Eingangs-Aussage von Markus Schrick. Er führt aus, dass die meisten Teile nach Bestellung in 24 oder 48 Stunden im Autohaus eintreffen. In Einzelfällen kann es aber auch mal drei Tage dauern, weswegen man eine 72-Stunden-Frist an die Werkstätten kommuniziert. Das ist den Strategen lieber als ein 24- oder 48-Stunden-Versprechen, das dann nicht immer eingehalten werden kann.

Das Problem der hohen Versicherungs-Einstufungen soll in diesem Jahr angegangen werden. Auf Nachfrage bestätigt Xpeng, dass dies an noch ausstehenden Crashtests der Versicherungsindustrie zur Prüfung und Kontrolle von Reparaturaufwänden bei kleineren und größeren Schäden liegt. Noch in diesem Jahr sollen die entsprechenden Tests starten, nach denen die Versicherer dann die Prämien besser kalkulieren können.

Mehr Händler, mehr Modelle

Im April startet der Verkauf des Xpeng P7+ zu Preisen ab 46.600 Euro.

Für 2026 plant Xpeng in Deutschland eine deutliche Steigerung der Absatzzahlen von den knapp unter 3.000 Autos im vergangenen Jahr auf mehr als 8.000 Neuwagenverkäufe. 2027 sollen 15.000 Xpeng erstmals ein deutsches Kennzeichen erhalten. Die hochtrabenden Pläne lassen sich zum Teil mit einem Ausbau des Händlernetzes erklären, was die Präsenz im Markt erhöht. Bis Ende 2026 soll die Zahl der Vertriebsstandorte von 50 auf 110 wachsen, in Österreich und der Schweiz von jeweils acht auf 20 Showrooms.

Einen Boost für den Verkauf dürfte aber vor allem auch die Ausweitung der Modellpalette bringen. Im April startet die neue Limousine Xpeng P7+ als Nachfolger des P7 zu Preisen ab 46.600 Euro. Wie G6 und G9 wird auch dieses Modell beim Auftragsfertiger Magna in Österreich montiert (SKD-Fertigung, Semi-Knockdown). Mitte 2026 startet der siebensitzige Van Xpeng X9, kurz danach plant man die Einführung mehrsitziger Optionen für das SUV G9. Hier wird man künftig auch einen Sechssitzer mit Einzelplätzen im Fond und einen Siebensitzer wählen können.

Damit nicht genug. Ein weiteres SUV wurde für dieses Jahr angekündigt, das mit einer 4,60 Meter langen Karosserie unterhalb des G6 positioniert wird. Auch eine Preis-Idee steht schon im Raum: Bei rund 35.000 Euro soll es losgehen. Um das zu erreichen, verzichtet Xpeng hier erstmals auf die markenprägende 800-Volt-Technologie, die schnelles Laden mit bis zu 525 kW beim G9 möglich macht. Wir tippen auf Xpeng G4 als mögliche Modellbezeichnung? Passt da noch ein G5 dazwischen? Klar! In der Tat kündigt der Xpeng-Manager ein weiteres „SUV im G6-Format“ an, dass sich jedoch vom genannten Bruder unterscheiden soll. Gut möglich, dass eine Variante mit Steilheck und mehr Ladekapazität dem G6 mit Fließheck zur Seite gestellt wird. 2027 schließlich soll die Modellpalette weiter nach unten expandieren. Ein nochmals kleineres SUV soll kommen, dann mutmaßlich für deutlich weniger als 30.000 Euro. Wir tippen auf den Namen Xpeng G2.

Die in China vorgestellten Modelle GX im Range-Rover-Stil und G7 (wie der G9 4,89 Meter lang) sollen nicht nach Europa kommen. Beide werden von einem seriellen Plug-in Hybrid angetrieben, auch als Elektroauto mit Range Extender bekannt. Markus Schrick stellt klar: Xpeng soll in Europa langfristig Marke für batterieelektrische Autos etabliert werden. Auch das ist ein Weg, sich von Mitbewerbern abzugrenzen, die mit Hybriden und Plug-in Hybriden den Markt aufrollen wollen. Die Endmontage der Autos in Österreich schützt die Preiskalkulation von Xpeng vor EU-Zöllen auf E-Fahrzeuge aus China. Obwohl Xpeng die aktuelle Förderung in Deutschland mit einer zusätzlichen Prämie in Höhe von 3.000 Euro und einer zinslosen Finanzierung des Förderbetrags bis zur Auszahlung unterstützt, will man auch von Preisaktionen und Rabattschlachten nichts wissen. Fünfstellige Nachlässe, wie sie beispielsweise regelmäßig auf der BYD-Website auftauchen, will und wird man nicht gewähren.

Auch in dieser Hinsicht bleibt das Xpeng-Management entspannt, ein solider Deckungsbeitrag für Hersteller und Händler ist wichtiger als reines Absatzvolumen. Oder, wie Markus Schrick es sagt: „Auch hier sind wir wohl der deutscheste aller Chinesen“.

Fazit

Der Xpeng G9 kann theoretisch mit bis zu 525 kW laden. Die Säule hier im Bild stellt maximal 400 kW zur Verfügung.

Xpeng tritt nicht marktschreierisch auf. Die aktuellen Modelle erfüllen, auch in unseren Tests, hohe Anforderungen, ohne einen selbstauferlegten Premium-Anspruch auszurufen. Statt massiver Rabatte für stark steigende Absatzzahlen und taktische Zulassungen setzt man auf den flächendeckenden Ausbau des Händler- und Servicenetzwerks und neue Modelle auch in günstigeren Preissegmenten. Zaubern können dabei auch die Chinesen nicht. Die geplanten SUV oder Kompakt- und Mittelklasse verzichten auf die teure 800V-Technologie, womit der Markenkern des schnellen Ladens verspielt werden kann.

Im Video: Alltagstest Xpeng G9 RWD Long Range

Text: Bernd Conrad
Bilder: Hersteller (2), M. Gill, B. Conrad