China-Konzern mit eigener Marke

China-Konzern mit eigener Marke Das plant die Volvo-Mutter in Deutschland

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Geely geht bei uns mit zwei SUV an den Start, weitere Modelle folgen in Kürze.

Der Name Geely ist hierzulande noch unbekannt, wenngleich der chinesische Konzern in Europa bereits auf vielfältige Art und Weise aktiv ist. Zum Marken-Portfolio gehören Volvo, Polestar, Lotus, Lynk & Co sowie Zeekr. Außerdem ist Geely der Joint-Venture-Partner von Mercedes-Benz bei Smart. Geely-Gründer Li Shufu hält zudem eine Beteiligung von zehn Prozent an der Mercedes-Benz AG.

Klare Deutschland-Strategie

Zusätzlich zu den genannten Marken geht Geely jetzt auch unter eigener Flagge in Deutschland an den Start. Der Markteintritt wurde mit langer Hand vorbereitet. Schon seit vielen Jahren unterhalten die Chinesen im hessischen Raunheim ein Forschungs- und Entwicklungszentrum, zusätzlich zu den entsprechenden Abteilungen in Schweden, Großbritannien und China.

„Deutschland ist für Geely einer der wichtigsten Märkte in Europa. Unser Ziel ist es, langfristiges Vertrauen aufzubauen – mit innovativen Produkten, hoher Qualität, starken Handelspartnern und einem kundenorientierten Vertriebs- und Servicekonzept. Wir kommen nicht mit einer kurzfristigen Perspektive, sondern mit dem klaren Anspruch, uns nachhaltig als relevanter Akteur im deutschen Automobilmarkt zu etablieren“, erklärt Zack Zhang, Managing Director Geely Auto Deutschland.

Alle Infos zu Geely im Video

Zwei SUV (was sonst?!) bilden das Modellduo zum Marktstart. Der Geely Starray DM-I ist ein 4,74 Meter langer Plug-in Hybrid, der – je nach Version – bis zu 136 Kilometer elektrische Reichweite und über 1.000 Kilometer Gesamt-Strecke mit Strom und Sprit bietet. Mit batterieelektrischem Antrieb fährt der 4,61 Meter lange Geely E5 vor.

Beide SUV sollen nicht nur mit einer umfangreichen Ausstattung und viel Platz (wie die erste Sitzprobe zeigt), sondern auch mit günstigen Preisen. Die Strategie der Marke ist klar: Mit Blick auf Leasing und Finanzierung sowie das künftige Gebrauchtwagen-Geschäft sollen die Restwerte möglichst stabil und kalkulierbar bleiben. Da bringt es wenig, zu hohe Listenpreise mit stets neuen Rabattaktionen in Frage zu stellen.

Günstiger als BYD

Der Plug-in Hybrid Geely Starray EM-I - hier rechts im Bild - startet bei 32.990 Euro, der elektrische E5 bei 37.990 Euro.

Den Geely Starray EM-I gibt es ab 32.990 Euro in der Basis-Variante namens Pro. Ein 18,4 kWh großer Akku soll eine elektrische Reichweite von 83 Kilometern ermöglichen. Das Hybridsystem kombiniert einen 1,5 Liter großen Vierzylinder-Sauger mit 73 kW / 99 PS und einen Elektromotor mit 160 kW (218 PS), der im seriellen Hybridprogramm und im EV-Modus meist allein für den Antrieb der Vorderräder zuständig ist.

Für 35.990 Euro gibt es den Geely Starray EM-I Pro+ mit 29,8 kWh großem Akku für 136 Kilometer E-Reichweite. Das Topmodell ist der Starray EM-I Max+ für 37.990 Euro. Bei ihm sind zusätzlich ein Panorama-Glasschiebedach, Vordersitze mit Lüftung und Massageprogrammen, die Memory-Funktion für den Fahrersitz, Sitzheizung auch im Fond, eine elektrische Heckklappe und ein Soundsystem mit 16 Lautsprechern serienmäßig an Bord.

Auch der vollelektrische Geely E5 hat einen Elektromotor mit 160 kW (218 PS). Ihn gibt es mit 60,2 kWh großem LFP-Akku zu Preisen ab 37.990 Euro. Die „Short Blade Battery“ soll für über 3.500 Ladezyklen und eine Fahrstrecke einer Million Kilometer ausgelegt sein. Man könnte also theoretisch alle 285 Kilometer laden, auch wenn die WLTP-Normreichweite mit 430 Kilometern angegeben wird.

Weiter kommt der E5 als Pro+ mit 68,4 kWh Akku-Kapazität zum Listenpreis von 39.990 Euro: 475 Kilometer werden für diese Variante angegeben, 450 Kilometer sind es für den Geely E5 Max+. Er bringt, analog zum oben beschriebenen Starray EM-I, eine umfangreichere (und somit schwerere) Ausstattung mit, beispielsweise mit elektrischem Zuheizer für den Innenraum als Zusatz zur Wärmepumpe, das Panorama-Glasschiebedach, Sitzlüftung für Fahrer und Beifahrer sowie Sitzheizung im Fond, das bessere Soundsystem, Einparksensoren auch an der Front und 19-Zoll-Felgen. Diese Version des Elektro-SUV steht mit 42.990 Euro in Konfigurator und Preisliste.

An einer Wallbox oder an einer öffentlichen Ladesäule zieht der E5 Wechselstrom dreiphasig mit 11 kW, über den CCS-Anschluss werden es maximal 120 (mit kleinem Akku) bzw. 135 kW (mit der größeren Batterie). 20 Minuten Ladezeit für den Hub von 30 auf 80% gibt der Hersteller an.

Geely will Kunden die Berührungsängste auch damit nehmen, indem man ein „vollständig auf europäische Kundenbedürfnisse zugeschnittenes digitales Ökosystem“ anbietet. Benutzeroberfläche mit Menüstruktur, die Sprachsteuerung und das Navigationssystem sollen angepasst worden sein. Bei unserem ersten Check bin beiden Modellen fällt auf, dass alle Wörter in den einzelnen Menüs korrekt geschrieben sind, auch auf kryptische Abkürzungen wurde verzichtet. Das ist erwähnenswert, weil manche aktuellen Modelle aus Fernost mit interessanten Vokabeln überraschen.

Händlernetz im Aufbau

Die beiden SUV-Modelle E5 und Starray EM-I sind nur der Anfang, bald wird das Modellprogramm ausgebaut.

Über den Lebenszyklus des Autos wird die Software mit Over-the-Air-Updates auf aktuellem Stand gehalten. Außerdem sollen eine 5-Sterne-Bewertung beim Euro-NCAP-Crashtest und eine Neuwagengarantie über acht Jahre bis zu einer Laufleistung von 200.000 Kilometern für Vertrauen sorgen. Das Modellangebot soll zügig ausgebaut werden. Schon im September wird mit dem Geely E2 ein kleines Elektroauto seine Premiere feiern, Ende 2026 eine Baureihe in der Mittelklasse (D-Segment). Bis zum Jah 2028 soll das Geely-Programm in Europa mehr als zehn Modellreihen umfassen.

Um Verkauf und Service sollen sich Vertragshändler kümmern, das Netz befindet sich aktuell im Aufbau, aktuell zählt es zehn Adressen. „Bis Ende 2026 wollen wir in Deutschland mindestens 50 Geely Vertriebs- und Servicestandorte etablieren“, sagt Philipp Hempel, Executive Director Germany bei Geely. Ein Jahr später plant er bereits mit 150 Autohäusern für die Marke Geely in Deutschland. Dort sollte man den Schauraum nicht zu eng wählen. Nach Starray EM-I und E5 kommen noch in diesem Jahr der kleine E2 und ein größeres SUV hinzu. Bis 2028 soll die Geely-Palette bei uns elf Baureihen umfassen. Ersatzteile kommen zum Start aus einem Lager in Amsterdam (Niederlande), parallel wird ein Zentrallager zur Versorgung der Werkstätten in Deutschland aufgebaut. Neben dem Kauf sollen von Anfang an auch Leasing, Finanzierung und Versicherungsdienstleistungen Teil der Gespräche in den Autohäusern sein. Dafür kooperiert Geelly mit Consors Finanz. Für den Plug-in Hybriden Starray EM-I gibt es, direkt zum Marktstart, eine Finanzierungsmöglichkeit mit 0,0% effektivem Jahreszins, beim Elektro-Bruder E5 sind es 0,99%.

Fazit

Eine weitere Automarke aus China kommt nach Europa. Der Geely-Konzern, dem auch Volvo, Polestar, Lotus, Lynk & Co, Zeekr und die Hälfte von Smart gehören, startet bei uns unter eigener Flagge mit zwei SUV. Bis Ende 2026 sollen die ersten 50 Geely-Händler in Deutschland am Netz sein, das dann weiter ausgebaut wird. Noch in diesem Jahr werden zwei weitere Modelle vorgestellt, 2028 sollen elf Baureihen bei den Autohäusern bereitstehen.

Text: Bernd Conrad
Bilder: Hannah Richter, Bernd Conrad