Der BYD Shark im ersten Check mit Sitzprobe.
Der chinesische Autohersteller BYD fischt bei der Suche nach Modellbezeichnungen weiter im Salzwasser. Während viele Pkw-Modelle vom kleinen Dolphin Surf (auf dem Heimatmarkt Seagull) bis zum Sealion 7 einer „Ocean“ genannten Linie angehören, hört der Pick-up der Marke auf den Namen Shark (Hai). Die Doppelkabine soll ein Revier bei Gewerbekunden und Menschen mit Outdoor-Hobbies verteidigen.
Plug-in Hybrid mit drei Maschinen
Die Karosserie des BYD Shark, der in einigen Märkten auch als Shark 6 verkauft wird, ist 5,46 Meter lang, 1,97 Meter breit und 1,93 Meter hoch. An der steilen Front prangen die drei Buchstaben des Markennamens groß und selbstbewusst zwischen den LED-Scheinwerfern, mit einer entsprechenden Kupplung am Heck kann der Pick-up bis zu 2,5 Tonnen schwere Anhänger ziehen.
„DMO“ nennt BYD das Antriebskonzept, die Bezeichnung steht für „Dual Mode Offroad“. An der Vorderachse arbeitet ein 170 W (231 PS) starker Elektromotor, hinten eine Maschine mit 150 kW (204 PS). Dazu kommt ein 1,5 Liter großer Vierzylinder-Benziner mit 135 kW / 184 PS, die Leistung des Systems wird mit 321 kW / 436 PS und einem maximalen Drehmoment von 650 Newtonmetern angegeben.
In China wird eine elektrische Reichweite von 100 Kilometern angegeben, rund 85 Kilometer nach WLTP-Norm. Die Energie zum lokal emissionsfreien Fahren kommt aus einem 29,6 kWh großen LFP-Akku (Lithium Eisenphosphat). Neben dem Laden an einer Wallbox oder an einer öffentlichen Säule kann der BYD Shark auch Strom am Schnelllader ziehen, hier werden bis zu 55 kW realisiert. Im Gegensatz zu vielen anderen Pick-ups setzt BYD beim Shark nicht auf eine Starrachse mit Blattfedern hinten, sondern auf Doppelquerlenker. Beim Blick unter das Auto sind die Schraubenfedern gut zu erkennen. Das dürfte den Fahrkomfort auf der Straße verbessern.
Die Sitzprobe
In der chinesischen Stadt Zhengzhou, wo der BYD Shark gebaut wird, hatten wir Gelegenheit zum ersten Kennenlernen mit dem Pick-up und eine Sitzprobe. Sie beginnt wie gewohnt in der zweiten Reihe. Hier überrascht der Chinese mit einem üppigen Raumangebot auf einer sehr bequemen Sitzbank. Obwohl nur ein paar Zentimeter kürzer, bieten die meisten anderen Doppelkabine-Pick-ups hier weniger Komfort. Haltegriffe erleichtern das Ein- und Aussteigen, an Bord freut man sich über eine ausklappbare Mittelarmlehne mit Getränkehaltern, Lüftungsdüsen und USB-Steckplätze.
Die beiden Vordersitze lassen sich elektrisch einstellen. Leider fehlt, wie so oft in asiatischen Autos, eine Höhenverstellung für den Platz des Co-Piloten. Der Fahrer blickt auf ein 10,25 Zoll großes Display für die fahrrelevanten Daten, außerdem spiegelt ein Head-up Display Informationen direkt auf die Windschutzscheibe. Im Lenkrad kann man, zusätzlich zu Audiosystem und Fahrassistenz, über kleine Walzen auch die Fahrmodi und Gelände-Programme aktivieren. Gerade beim Fahren abseits befestigter Straßen dürfte das sehr praktisch sein, da man nicht lange nach einem entsprechenden Schalter oder einem Menüpunkt suchen muss.
Das 14,6 Zoll große Infotainment-Display kann auf Wunsch aufrechtstehend oder horizontal positioniert werden, die Drehung übernimmt ein kleiner Elektromotor. Im Alltag dürfte die Karte einer aktiven Routenführung der einzige Anwendungsfall sein, bei dem die vertikale Display-Ausrichtung wirklich Sinn ergibt. Über den Touchscreen kann man eine Vielzahl von Einstellungen für Fahrzeug- und Komfortfunktionen vornehmen. Auch die Klimabedienung läuft über den Bildschirm.
Weiter unten in der Mittelkonsole kann man ein Smartphone induktiv mit 50 Watt laden, um den Fahrstufen-Wählhebel herum gibt es weitere Tasten und Schalter, beispielsweise für die Bergabfahrhilfe und den Wechsel vom Elektro- und den Hybridmodus.
Kommt er nach Europa?
Wie sich der BYD Shark fährt, können wir leider bei unserem Termin in China nicht ausprobieren. Deutsche Straßen, Waldwege und Baustellen dürfte das Modell so bald auch nicht unter die Räder bekommen. Ob und wann der Verkauf des elektrifizierten Pick-ups bei uns startet, ist noch nicht bekannt. Seit 2024 ist er in Brasilien, Mexiko, Südafrika und vielen asiatischen Ländern im Handel. Ein wahrer Bestseller ist der Shark in Australien und Neuseeland – beides sind traditionell starke Märkte für Pick-ups. In Australien kostet das Basismodell des Chinesen, inklusive Abgaben und Zulassung als „Drive Away Price“ ab 63.850 Dollar, umgerechnet rund 38.850 Euro.
Fazit
Mit Nutzfahrzeugen in Form von Transportern, Lkw und Bussen hat der chinesische Konzern BYD bereits Erfahrung. Seit 2024 gibt es, sozusagen als Brückenprodukt zum stark wachsenden Pkw-Angebot der Marke, den Pick-up Shark mit Doppelkabine als Plug-in Hybrid.
Wir konnten im Rahmen eines Termins in China zur Sitzprobe im BYD Shark starten. Der gut verarbeitete Innenraum bietet viel Platz, auch im Fond vor der Ladefläche. Ob und wann BYD seinen elektrifizieren Pick-up auch nach Europa bringt, ist noch nicht bekannt.
Ein weiterer China-Pick-up im Video: DFM Rich 9 Diesel